ARMUT DURCH PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT: VOLLVERSICHERUNG KANN RISIKO DEUTLICH SENKEN - Studie informiert

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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ARMUT DURCH PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT: VOLLVERSICHERUNG KANN RISIKO DEUTLICH SENKEN - Studie informiert

Beitrag von WernerSchell » 27.09.2019, 10:52

Hans-Böckler-Stiftung


Gesundheitsökonom Heinz Rothgang berechnet Szenarien
ARMUT DURCH PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT: VOLLVERSICHERUNG KANN RISIKO DEUTLICH SENKEN – NEUE STUDIE KALKULIERT KOSTEN UND VERTEILUNGSWIRKUNG


Da die Pflegeversicherung derzeit nur eine Teilabsicherung bietet, stellen die Zuzahlungen zur Pflege für viele pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen ein erhebliches Armutsrisiko dar. Ein Drittel der in Heimen Gepflegten sind aktuell auf Sozialhilfe angewiesen. Eine Pflegevollversicherung, die alle Kosten für Pflegeleistungen abdeckt, würde die finanzielle Belastung deutlich reduzieren. Ob das langfristig zu finanzieren ist und was die Leistungsverbesserung für die Beitragszahler bedeutet, hat der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Heinz Rothgang in einer neuen, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie anhand von drei Szenarien untersucht. Dabei zeigt sich: Für die große Mehrheit der Versicherten und der Arbeitgeber sind die zusätzlichen Kosten überschaubar, wenn die Pflegeversicherung künftig als soziale Bürgerversicherung ausgestaltet würde. Aktuell müssten gesetzlich Versicherte für eine Voll-Absicherung durchschnittlich gut fünf Euro im Monat mehr bezahlen als für das Teil-Modell, im Jahr rund 65 Euro. Der zusätzliche Beitrag der Arbeitgeber wäre mit durchschnittlich 25 Euro im Jahr noch geringer, kalkuliert der Wissenschaftler von der Universität Bremen. Der Beitragssatz fiele nahezu identisch aus, auch langfristig: So läge 2060 der durchschnittliche Beitragssatz in einer Pflegebürgerversicherung als Vollversicherung nur um knapp 0,25 Prozentpunkte höher als bei einer Fortsetzung der Teil-Versicherung in der heutigen gesetzlichen Sozialen Pflegeversicherung (SPV). In der SPV sind knapp 90 Prozent der Menschen in Deutschland versichert. Auch bislang in der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) Versicherte wären durch die Bürger-Vollversicherung besser abgesichert als bisher. Insbesondere bei Privat-Versicherten mit größeren Einkommen fiele der nötige Beitragsaufschlag für die erweiterten Leistungen aber höher aus.

Derzeit müssen Gepflegte in stationären Einrichtungen jeden Monat im Bundesdurchschnitt rund 660 Euro aus eigener Tasche für Pflegeleistungen zahlen. Hinzu kommen die Kosten für Miete und Essen. Rechnet man auch die Zuzahlungen zur ambulanten Pflege hinzu, müssen Pflegebedürftige allein für Pflegeleistungen jährlich rund 8,5 Milliarden Euro selber tragen. Die Eigenanteile zur Pflege sind seit Einführung der Pflegeversicherung vor über 20 Jahren fast kontinuierlich und deutlich angestiegen. Und sie werden nach der derzeitigen Rechtslage weiter wachsen, weil diese zusätzliche Pflegekosten einseitig den Gepflegten zuschreibt, so die Untersuchung des renommierten Gesundheitsökonomen der Universität Bremen. Die Studie nutzt umfassende Daten aus Pflegeversicherung, amtlicher Statistik und repräsentativen Befragungen.

Mehr als 50 Prozent der gesetzlich Versicherten würden für die vollständige Absicherung maximal 4 Euro im Monat zahlen

Die Studie zeigt grundsätzlich positive Verteilungswirkungen einer Bürger-Vollversicherung, weil Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen weniger zahlen als Versicherte mit hohen Einkommen: Für die Leistungsverbesserung, die Zuzahlungen zu notwendigen Pflegeleistungen überflüssig macht, müssten die einkommensmäßig „unteren“ 50 Prozent aller SPV-Versicherten aktuell maximal 50 Euro pro Jahr beziehungsweise höchstens vier Euro im Monat an höheren Beiträgen zahlen.

Nur 10 Prozent der SPV-Versicherten würde eine Umstellung auf die Voll-Übernahme der Pflegekosten in einer Bürgerversicherung pro Jahr mehr als 100 Euro zusätzlich kosten. Dabei handelt es sich um die einkommensstärksten Haushalte. In der unteren Hälfte des obersten Einkommens-Zehntels sind es im Durchschnitt 140 Euro im Jahr. Für die fünf Prozent der Versicherten mit den höchsten Einkommen stiege der Beitrag um jährlich durchschnittlich 250 Euro an. Das liegt vor allem daran, dass sie neben höheren Erwerbseinkommen nennenswerte Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung oder Gewerbebetrieben haben. Diese Einkommen würden bei einer Bürgerversicherung mitgerechnet, während bislang nur von Arbeitseinkommen Beiträge erhoben werden. Zudem hat der Forscher im durchgerechneten Szenario die Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung im Westen angehoben. Somit würden die Pflege-Beiträge bei einem Jahres-Bruttoeinkommen von 76.200 Euro gekappt und nicht schon bei 52.200 Euro.

Forscher: Bürgerversicherung würde für „gerechten Lastenausgleich“ sorgen, wie ihn das Bundesverfassungsgericht fordert

Auch Versicherte, die heute in der Privaten Pflegeversicherung (PPV) ebenfalls nur eine Teil-Absicherung haben, würden von den erweiterten Leistungen der Bürger-Vollversicherung profitieren. Da viele von ihnen bislang extrem niedrige Beiträge zahlen, wäre der nötige Aufschlag dafür aber höher: Im Durchschnitt müssten privat Pflegeversicherte pro Jahr rund 530 Euro mehr zahlen als bisher, ihre Arbeitgeber knapp 240 Euro. Dabei gilt auch für zuvor PPV-Versicherte, dass Menschen mit geringeren Einkommen für die Vollabsicherung deutlich weniger bezahlen müssten als sehr gut Verdienende – anders als heute. Hintergrund ist, dass die Pflegeversicherung – wie die Krankenversicherung – derzeit aufgespalten ist. Rund 72 Millionen Menschen in Deutschland sind in der SPV versichert, knapp neun Millionen in der PPV. Privat pflegeversichert sein können überhaupt nur Arbeiter und Angestellte oberhalb einer Einkommensgrenze sowie Beamte und Selbständige. Zudem müssen Privatversicherte eine Risikoprüfung durchlaufen. Beides führt dazu, dass durchschnittliche Mitglieder in der PPV im Vergleich zur SPV ein um zwei Drittel höheres beitragspflichtiges Einkommen haben, zudem aktuell eine günstigere Altersverteilung aufweisen und gesünder sind, analysiert Rothgang. So haben die PPV-Versicherer aktuell nicht einmal die Hälfte der Leistungs-Ausgaben und können mit konkurrenzlos niedrigen Prämien kalkulieren.

Angesichts dieser Unwucht könne von einer „ausgewogenen Lastenverteilung“, wie sie das Bundesverfassungsgericht mit Blick auf die „duale“ Gestaltung der Pflegeversicherung schon vor Jahren gefordert hat, keine Rede sein, betonen Rothgang und sein Co-Autor Dominik Domhoff. „Vielmehr zeigt sich hier aus Gerechtigkeitsüberlegungen ein deutlicher und dringender Reformbedarf“ – der mit der Umstellung auf eine Pflege-Bürgerversicherung eingelöst werden könnte. Zudem hätten bislang PPV-Versicherte langfristig den Vorteil einer berechenbareren Kostenentwicklung. Denn durch die vergleichsweise kleine Versichertenzahl ist die PPV anfälliger für Beitragsschwankungen – und die heute relativ günstige Altersstruktur mit vielen gut verdienenden Versicherten in mittlerem Alter wird sich laut der Studie in den kommenden Jahrzehnten in ihr Gegenteil verkehren.

„Mit einer Pflegebürgerversicherung werden die Gerechtigkeitsdefizite weitgehend beseitigt, die die aktuelle Aufspaltung bringt. Wird diese als Vollversicherung ausgestaltet, werden nicht nur die derzeitigen Eigenanteile bei der Pflege abgebaut. Vielmehr werden die ansonsten unmittelbar drohenden Anstiege der Eigenanteile verhindert, und zwar langfristig, ohne dass der Beitragssatz für das Gros der Versicherten und ihre Arbeitgeber nennenswert höher wäre“, erklärt Gesundheitsökonom Rothgang. Gestützt auf umfassende Daten aus sozio-ökonomischem Panel, amtlicher Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), aus der Pflegeversicherung und aus Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamts machen die Forscher das über eine Projektion der Beitragssätze bis 2060 deutlich.

Da die Zahl der Pflegebedürftigen zunächst deutlich zunimmt, steigt der zur Finanzierung notwendige Beitragssatz auch im aktuellen SPV-Teilleistungsmodell – von heute 3,05 Prozent bis 2040 auf rund 3,7 Prozent. Für die Bürgervollversicherung müsste er dann bei rund 4 Prozent liegen. Für das Jahr 2060 veranschlagen die Forscher einen Beitragssatz von 4,9 Prozent im Status Quo und 5,14 Prozent bei einer Bürgervollversicherung. Diese Beitragssätze ergeben sich, wenn die Leistungsbeträge – anders als derzeit gesetzlich verankert – mit der Lohnentwicklung angepasst werden und nicht mit der Inflation. Ab Mitte der 2050er Jahre hat die Zahl der Pflegebedürftigen dann nach den aktuellen Prognosen ihren Höhepunkt erreicht und würde in der Folge zurückgehen, während die Beitragssätze stagnieren.

Zusätzlich zum Status Quo und zur Bürgervollversicherung haben die Forscher noch zwei Szenarien berechnet. Die Modellierungen zeigen: Würde man nur die SPV – also ohne Bürgerversicherung – auf Vollversicherung umstellen, müssten die Beiträge weitaus stärker steigen: Derzeit lägen sie um gut 0,6 Beitragspunkte über dem Status Quo, 2060 betrüge die Differenz sogar etwa 1,1 Punkte. Falls man das aktuelle Modell zu einer Bürgerversicherung weiterentwickeln würde, ohne die Leistungen auf Vollübernahme der Pflegekosten auszuweiten, wären die Beitragssätze dagegen deutlich niedriger als im aktuellen SPV-Modell: Derzeit lägen sie um knapp 0,5 Beitragspunkte darunter, 2060 um knapp 0,7 Punkte. Das Problem der hohen Eigenanteile bliebe dann aber ungelöst.

Weitere Informationen: Heinz Rothgang, Dominik Domhoff: Die Pflegebürgerversicherung als Vollversicherung. Beitragssatz- und Verteilungseffekte bei Umwandlung der Pflegeversicherung in eine Bürgerversicherung mit Vollversicherung (pdf). Working Paper der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung. Nr. 150, September 2019. >>> https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_150_2019.pdf

Kontakt:
Dr. Dorothea Voss
Leiterin Abteilung Forschungsförderung
Rainer Jung
Leiter Pressestelle

Quelle: Pressemitteilung vom 27.09.2019
Hans-Böckler-Stiftung
Hans-Böckler-Straße 39
40476 Düsseldorf
Telefon: +49 211 7778 0
Telefax: +49 211 7778 120
E-Mail: zentrale[at]boeckler.de
Internet: www.boeckler.de
>>> https://www.boeckler.de/14_121899.htm

+++
Siehe auch die zahlreichen Beiträge unter:
Pflegebeitrag wird wegen Ausgabenexplosion massiv erhöht … und die Pflegemisere bleibt gleichwohl unverändert bestehen!
>>> http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... =4&t=22683
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Pflegebedürftige jetzt entlasten

Beitrag von WernerSchell » 27.09.2019, 11:02

Pflegebedürftige jetzt entlasten

Statement von Klaus Müller, Vorstand des vzbv, zur Reform der Pflegeversicherung

Die Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte heute ein Gutachten zur Reform der Pflegeversicherung. Das ist ein wertvoller Beitrag zur Diskussion um die Finanzierung der Pflegekosten. Die finanzielle Entlastung von pflegebedürftigen Verbraucherinnen und Verbrauchern muss aber zeitnah angegangen werden. Dazu ein Statement von Klaus Müller, Vorstand des vzbv:

„Eine Diskussion über die zukünftige Finanzierung der Pflegekosten ist unerlässlich. Das heute veröffentlichte Gutachten der Hans-Böckler-Stiftung liefert hierzu wichtige Zahlen und Anstöße. Bereits jetzt sind aber erste Schritte zur finanziellen Entlastung pflegebedürftiger Verbraucher notwendig und in der Praxis umsetzbar. Die Bundesregierung muss zeitnah handeln und darf diesen Punkt nicht länger auf die lange Bank schieben. Der Eigenanteil, den Pflegebedűrftige in stationären Pflegeeinrichtungen zahlen liegt mittlerweile bundesweit bei über 1.900 Euro.

Die aktuelle vorgesehene Stärkung der Pflege durch die Bundesregierung ist wichtig und wird vom vzbv ausdrücklich unterstützt. Die Kosten der steigenden Ausgaben dürfen aber nicht allein den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Das ist derzeit leider der Fall. Die Leistungen der Pflegeversicherung im Fall von Pflegebedürftigkeit müssen jetzt erhöht und an die Realität angepasst werden. Dabei müssen sie sich an der Inflationsrate und den Personalkosten orientieren.

Bezüglich der Weiterentwicklung der Pflegeversicherung braucht es im ersten Schritt einen Steuerzuschuss analog zur gesetzlichen Krankenversicherung. Dadurch kann die zu erwartende Beitragssteigerungen begrenzt werden. Versicherungsfremde Leistungen, etwa die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Pflegkräfte, sollten nicht durch die Beitragszahler finanziert werden.“

Quelle: Mitteilung vom 27.09.2019
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Pressestelle
Rudi-Dutschke-Straße 17
10969 Berlin
Tel.: (030) 25 800-525
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ARMUT DURCH PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT: VOLLVERSICHERUNG KANN RISIKO DEUTLICH SENKEN - Studie informiert

Beitrag von WernerSchell » 30.09.2019, 07:11

0746 / 27. September 2019
Pressemitteilung von Pia Zimmermann


Pflegevollversicherung ist möglich - Spitzenverdiener endlich an Kosten beteiligen

„Seit heute haben es alle schwarz auf weiß: Eine Solidarische Pflegevollversicherung ist möglich - bei praktisch gleichbleibenden Beitragssätzen. Es ist eine politische Entscheidung der Bundesregierung, weiterhin privatversicherte Spitzenverdiener zu schonen und alle Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen mit stetig steigenden Eigenanteilen zu belasten“, kommentiert Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE, die Ergebnisse der aktuellen Studie „Die Pflegebürgerversicherung als Vollversicherung“ der Hans-Böckler-Stiftung. Pia Zimmermann weiter:

„Wenn alle, auch die Privatversicherten, den gleichen Beitragssatz auf alle Einkünfte bezahlten, wäre Armut durch Pflege bald Geschichte. Alle pflegebedingten Kosten könnten finanziert werden. Die viel zu hohen Eigenanteile könnten endlich abgeschafft werden. Die meisten Menschen müssten nur wenige Euro mehr pro Monat bezahlen, bekämen dafür aber finanzielle Absicherung im Pflegefall. Millionen Menschen und ihre Angehörigen würden durch gestrichene Eigenanteile auf einen Schlag entlastet. Und die wenigen Menschen, die mehr zahlen müssten, würden so endlich gemäß ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit behandelt. Diese Umverteilung fordert DIE LINKE seit langem - sie ist richtig, verfassungsmäßig geboten und lange überfällig.“

Das Konzept der Solidarischen Gesundheits- und Pflegeversicherung der Fraktion DIE LINKE finden Sie hier:
https://www.linksfraktion.de/themen/dos ... sicherung/
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Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
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Pflegeversicherung - SPD will Private und Gesetzliche vereinen

Beitrag von WernerSchell » 30.09.2019, 07:20

Ärzte Zeitung online, 29.09.2019
Pflegeversicherung
SPD will Private und Gesetzliche vereinen

Eine Reform der Pflegefinanzierung im kommenden Jahr wird immer wahrscheinlicher. Beide Koalitionsparteien haben das Thema auf die Agenda gesetzt. Die SPD plant eine Bürger-Pflegeversicherung mit Zugriff auf die Rücklagen der privaten Pflegeversicherung. Medizinische Behandlungspflege in Milliardenhöhe soll komplett von den Krankenkassen bezahlt werden.
Von Anno Fricke
... (weiter lesen unter) ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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SPD-Spitze will Pflegevollversicherung

Beitrag von WernerSchell » 01.10.2019, 06:19

Deutsches Ärzteblatt vom 30.09.2019:
SPD-Spitze will Pflegevollversicherung
Berlin – Die SPD-Spitze will die jetzige Pflegeversicherung zu einer Pflegebürgerversicherung umbauen. Das hat der Parteivorstand vorgestern bei einer Klausur in Berlin beschlossen. Die Pläne sollen Bestandteil eines Leitantrags der Parteispitze für... [mehr] > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/30 ... 975-pynl3g
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ARMUT DURCH PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT: VOLLVERSICHERUNG KANN RISIKO DEUTLICH SENKEN - Studie informiert

Beitrag von WernerSchell » 07.10.2019, 06:32

Armut durch Pflegebedürftigkeit: Vollversicherung kann Risiko deutlich senken – Neue Studie kalkuliert Kosten und Verteilungswirkung

(Quelle: Böckler-Stiftung) Da die Pflegeversicherung derzeit nur eine Teilabsicherung bietet, stellen die Zuzahlungen zur Pflege für viele pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen ein erhebliches Armutsrisiko dar. Ein Drittel der in Heimen Gepflegten sind aktuell auf Sozialhilfe angewiesen. Eine Pflegevollversicherung, die alle Kosten für Pflegeleistungen abdeckt, würde die finanzielle Belastung deutlich reduzieren. Ob das langfristig zu finanzieren ist und was die Leistungsverbesserung für die Beitragszahler bedeutet, hat der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Heinz Rothgang in einer neuen, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie anhand von drei Szenarien untersucht.* Dabei zeigt sich: Für die große Mehrheit der Versicherten und der Arbeitgeber sind die zusätzlichen Kosten überschaubar, wenn die Pflegeversicherung künftig als soziale Bürgerversicherung ausgestaltet würde. Aktuell müssten gesetzlich Versicherte für eine Voll-Absicherung durchschnittlich gut fünf Euro im Monat mehr bezahlen als für das Teil-Modell, im Jahr rund 65 Euro. Der zusätzliche Beitrag der Arbeitgeber wäre mit durchschnittlich 25 Euro im Jahr noch geringer, kalkuliert der Wissenschaftler von der Universität Bremen. Der Beitragssatz fiele nahezu identisch aus, auch langfristig: So läge 2060 der durchschnittliche Beitragssatz in einer Pflegebürgerversicherung als Vollversicherung nur um knapp 0,25 Prozentpunkte höher als bei einer Fortsetzung der Teil-Versicherung in der heutigen gesetzlichen Sozialen Pflegeversicherung (SPV). In der SPV sind knapp 90 Prozent der Menschen in Deutschland versichert. Auch bislang in der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) Versicherte wären durch die Bürger-Vollversicherung besser abgesichert als bisher. Insbesondere bei Privat-Versicherten mit größeren Einkommen fiele der nötige Beitragsaufschlag für die erweiterten Leistungen aber höher aus.
Derzeit müssen Gepflegte in stationären Einrichtungen jeden Monat im Bundesdurchschnitt rund 660 Euro aus eigener Tasche für Pflegeleistungen zahlen. Hinzu kommen die Kosten für Miete und Essen. Rechnet man auch die Zuzahlungen zur ambulanten Pflege hinzu, müssen Pflegebedürftige allein für Pflegeleistungen jährlich rund 8,5 Milliarden Euro selber tragen. Die Eigenanteile zur Pflege sind seit Einführung der Pflegeversicherung vor über 20 Jahren fast kontinuierlich und deutlich angestiegen. Und sie werden nach der derzeitigen Rechtslage weiter wachsen, weil diese zusätzliche Pflegekosten einseitig den Gepflegten zuschreibt, so die Untersuchung des renommierten Gesundheitsökonomen der Universität Bremen. Die Studie nutzt umfassende Daten aus Pflegeversicherung, amtlicher Statistik und repräsentativen Befragungen.
Mehr dazu hier. > https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_150_2019.pdf

Quelle: Mitteilung vom 06.10.2019
Verband Kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rheinland-Westfalen-Lippe
Beratgerstraße 36
44149 Dortmund
Tel.: 0231/ 579743
Fax: 0231/ 579754
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Solidarisch und generationengerecht: Ein neuer Generationenvertrag für die Pflege

Beitrag von WernerSchell » 24.10.2019, 18:10

Verband der privaten Krankenversicherung

Solidarisch und generationengerecht: Ein neuer Generationenvertrag für die Pflege

Um die Pflege finanziell dauerhaft zu sichern, setzt sich der Ver­band der Privaten Krankenversicherung (PKV) für eine generati­onengerechte Finanzreform ein: Ein neuer Generationenvertrag soll die Belastung der Älteren durch steigende Eigenanteile gezielt abfedern und zugleich die Jüngeren beim Aufbau einer privaten Eigenvorsorge unterstützen. So könnte der Beitragssatz zur Pflegeversicherung langfristig auf dem heutigen Niveau nahe 3 Prozent stabilisiert werden.

„Unser Vorschlag baut eine Brücke zwischen den Generationen“, so PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. „Wer die Pflege sozial gerecht reformieren will, darf nicht nur an die heute Pflegebedürf­tigen denken.“ Genau da liegt die Schwäche anderer Modelle: Ob Sockel-Spitze-Tausch, Vollversicherung oder Zuschüsse aus Steuergeldern – dies alles würde die demografieanfällige Umla­gefinanzierung ausweiten, die Jüngeren damit noch weiter belas­ten und den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen.

„Wir wollen stattdessen immer mehr Versicherte in die Lage ver­setzen, ihre persönliche ‚Pflegelücke‘ zu schließen, ohne die nachfolgenden Generationen zu belasten“, so Reuther. Entspre­chende Tarife der PKV sind bereits auf dem Markt und kosten, insbesondere beim Abschluss in jüngeren Jahren, oft viel weniger als vermutet. Durch Steuerabzüge, betriebliche Vereinbarungen oder staatliche Förderung wie beim sogenannten Pflege-Bahr könnten sie noch günstiger werden.

Für die heute Älteren, denen der Aufbau einer ausreichenden Eigenvorsorge nicht mehr ohne weiteres möglich ist, sieht das PKV-Modell zusätzliche Leistungen aus der Pflegepflichtversi­cherung vor: Der Anstieg der Eigenanteile würde dadurch ge­dämpft. Dabei erhielten die heute über 80-Jährigen die größte Unterstützung und die nachfolgenden Jahrgänge schrittweise et­was weniger. Sobald alle „Babyboomer“ im Ruhestand sind, kann diese Solidarleistung auslaufen. Die nachkommenden Versicher­ten wären dann durch private Vorsorge nachhaltig abgesichert.

Weitere Informationen zum Thema > https://www.pkv.de/themen/pflege/neuer- ... envertrag/

Quelle: Pressemitteilung vom 23.10.2019
https://www.pkv.de/presse/pressemitteil ... ie-pflege/

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Deutsches Ärzteblatt vom 23.10.2019:
Privatversicherer stellen neues Pflegeversicherungsmodell vor
Berlin – Angesichts steigender Pflegekosten bei gleichzeitig alternder Bevölkerung hat sich der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) für eine stärkere private Eigenvorsorge ausgesprochen. Dazu stellte die PKV am heute ein neues Modell vor.... [mehr] > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/31 ... 975-pzu5ph
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Der von der PKV vorgeschlagene Generationenvertrag mit einer Brücke zwischen den Generationen ist milliardenteurer Unfug

Beitrag von WernerSchell » 24.10.2019, 18:12

Anlässlich des neuen Pflegeversicherungsmodells der Privaten Krankenversicherung, welches heute vorgestellt wurde, finden Sie nachfolgend ein Zitat von Pia Zimmermann zu Ihrer Verwendung. - Susanne Müller

Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE:

"Der von der PKV vorgeschlagene Generationenvertrag mit einer Brücke zwischen den Generationen ist milliardenteurer Unfug, denn die Pflege älterer Menschen betrifft alle Generationen. Die Spaltung verläuft zwischen Arm und Reich. Endlich die Privatversicherten mit Spitzeneinkommen in die solidarische Finanzierung pflegerischer Versorgung einzubeziehen - das ist die Brücke in die Zukunft, die jetzt gebraucht wird."

Quelle: Pressemitteilung vom 23.10.2019
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Vor pflegebedingter Armut schützt nur eine Solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung

Beitrag von WernerSchell » 29.10.2019, 16:18

0822 / 29. Oktober 2019
Pressemitteilung von Pia Zimmermann


Vor pflegebedingter Armut schützt nur eine Solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung

„Eine gute soziale Absicherung bei häuslicher Pflege ist notwendig. Noch wichtiger jedoch wäre es, den Anteil an den Pflegekosten zu senken, der von den Angehörigengetragen werden muss. Denn viele entscheiden sich eben nicht aus freien Stücken dafür, als Ersatz für eine professionelle Pflege einzuspringen, sondern werden durch die hohen Zuzahlungen dazu gedrängt, die Pflegeversicherung erst gar nicht in Anspruch und die Pflege stattdessen selbst in die Hand zu nehmen. Und dann sind es meist die Frauen, die ihre Karriere hintanstellen“, erklärt Pia Zimmermann, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zu einer Studie des Sozialverbands Deutschland, der zufolge heimische Pflege das Armutsrisiko besonders von Frauen erhöht. Zimmermann weiter:

„Was wir brauchen, ist qualitativ gute Pflege in einer Vollversicherung, die alle pflegebedingten Leistungen finanziert, und zudem eine weitere Verbesserung von funktionierender Tages-, Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Das kostet viel Geld. Wenn man eine Pflegevollversicherung einführen will, die Beitragssätze aber konstant bleiben sollen, geht das nur im Rahmen einer Solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung. Dies hat kürzlich der Gesundheitsökonom Heinz Rothgang im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung vorgerechnet. Wer das nicht will, schadet auch den pflegenden Angehörigen.“

F.d.R. Christian Posselt
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VdK stößt sich an steigenden Pflege-Eigenanteilen

Beitrag von WernerSchell » 05.11.2019, 07:58

Ärzte Zeitung vom 05.11.2019:
Kritik an GroKo
VdK stößt sich an steigenden Pflege-Eigenanteilen

Deutschlands größter Sozialverband stellt der Koalition zu deren Halbzeit ein durchwachsenes Zeugnis aus. Bei den Themen Betriebsrente und Pflege-Eigenanteil gibt es demnach erhebliche Baustellen. ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Krankenkassen wollen begrenzten Eigenanteil für Heimbewohner

Beitrag von WernerSchell » 11.11.2019, 18:36

Deutsches Ärzteblatt vom 11.11.2019:
Krankenkassen wollen begrenzten Eigenanteil für Heimbewohner
Berlin – Der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) hat sich für eine Begrenzung der Eigenanteile ausgesprochen, die Bewohner von Pflegeheimen monatlich bezahlen müssen. „Im Durchschnitt sind für einen Heimplatz fast 1.900 Euro im Monat aus eigener Tasche zu... [mehr] > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/31 ... 975-q0tevc
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ZWEI-SÄULEN-STRATEGIE IN DER PFLEGEFINANZIERUNG - Einführung einer Eigenanteilsversicherung

Beitrag von WernerSchell » 21.11.2019, 07:21

Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

ZWEI-SÄULEN-STRATEGIE IN DER PFLEGEFINANZIERUNG
Einführung einer Eigenanteilsversicherung


Die gesetzliche Pflegeversicherung ist als Teilleistungsversicherung konzipiert, ein Teil der tatsächlich anfallenden Pflegekosten muss seit jeher von den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Allerdings ist dieser selbst zu finanzierende Anteil an den Pflegekosten seit Einführung der Versicherung fast kontinuierlich gestiegen – selbst die jüngsten Pflegereformen konnten diesen Trend nicht umkehren.

SUSANNA KOCHSKÄMPER / CHRISTINE ARENTZ / MAIK MORITZ ·IW-POLICY PAPER NR. 12 · 20. NOVEMBER 2019

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Die steigenden Eigenanteile stehen zunehmend in der Kritik. Zudem wird befürchtet, dass gegenwärtige Reformvorhaben noch einmal deutliche Steigerungen der Pflegekosten – und damit auch der Eigenanteile – hervorbringen.

Ein aktuell in der Politik diskutierter Reformvorschlag nimmt sich dieses Problems an. Vorgeschlagen wird ein sogenannter Sockel-Spitze-Tausch, der die pflegebedingten Eigenanteile deckeln soll. Allerdings würde dadurch der Umlageanteil in der Pflegeversicherung ausgeweitet. In Zeiten des demografischen Wandels erscheint dies riskant. Auf mittlere Sicht besteht dann das politische Risiko, Leistungen kürzen zu müssen, weil der Druck auf den Beitragssatz und damit die Belastung der jüngeren Generationen zu stark steigen.

Deshalb wird in diesem Papier ein alternativer Reformvorschlag erarbeitet. Kern des Vorschlags ist es, das heutige System der Pflegefinanzierung auf zwei Säulen zu stützen: Die gegenwärtige gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt einen gesetzlich fixierten prozentualen Anteil an den Gesamtkosten, eine kapitalgedeckte Eigenanteilsversicherung den verbleibenden Anteil – gegebenenfalls mit einem politisch definierten Selbstbehalt versehen. Ob diese zweite Säule verpflichtend eingeführt wird oder freiwillig verbleibt, wird hier offengelassen und nur gezeigt, welche flankierenden sozialpolitischen Maßnahmen ergriffen werden müssen, sollte die Eigenanteilsversicherung tatsächlich verpflichtend eingeführt werden.

Die Umstellung auf eine Zwei-Säulen-Strategie bietet der Politik auch die Möglichkeit, die Mischung von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren so zu justieren, dass die heute bereits im Umlagesystem der sozialen Pflegeversicherung angelegten Belastungen für die jüngeren und zukünftigen Generationen nicht weiter erhöht oder sogar verringert werden. Ein deutlicher Vorteil eines solchen Modells liegt somit darin, dass die Lastverschiebung zwischen den Generationen im Umfang der kapitalgedeckt finanzierten Leistungen begrenzt werden kann, ohne Leistungsversprechen insgesamt einzuschränken.


IW-POLICY PAPER
Susanna Kochskämper / Christine Arentz / Maik Moritz: Zwei-Säulen-Strategie in der Pflegefinanzierung: Einführung einer Eigenanteilsversicherung - Zum künftigen Umgang mit den selbst zu tragenden Pflegekosten
DOWNLOAD > https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_u ... ierung.pdf


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Deutsches Ärzteblatt vom 20.11.2019
Wirtschaftsinstitut für Systemwechsel bei Pflegeversicherung
Hannover – In der Debatte um die Zukunft der Pflegeversicherung fordert das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) einen Systemwechsel. „Kern des Vorschlags ist es, das heutige System der Pflegefinanzierung auf zwei Säulen zu... > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/31 ... 975-q1a3t1
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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WernerSchell
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Pflegeversicherung: Jüngere Generation durch solidarischen Ausbau des Vorsorgefonds entlasten

Beitrag von WernerSchell » 21.11.2019, 08:22

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Pflegeversicherung: Jüngere Generation durch solidarischen Ausbau des Vorsorgefonds entlasten

Steigende Pflegekosten treffen vor allem die jüngeren Generationen. Für die aktuelle Studie "Langzeitpflege im Wandel" hat die Bertelsmann Stiftung verschiedene Szenarien zur künftigen Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) aufstellen lassen und dabei die unterschiedlichen Belastungen für jüngere und ältere Beitragszahler in den Blick genommen. Eine vorgezogene Beitragsanhebung und ein Bundeszuschuss aus Steuermitteln zum Ausbau des Pflegevorsorgefonds wären dazu geeignet, die zusätzlichen Kosten zu decken und zugleich die jüngere Generation zu entlasten.

Gütersloh, 21. November 2019. Eine älter werdende Bevölkerung, ein steigender Pflegebedarf, ein Ausbau der Pflegestellen und eine bessere Entlohnung der Pflegekräfte – all dies wird in den kommenden Jahrzehnten zu einem deutlichen Anstieg der Ausgaben für professionelle Pflege führen. Nach aktuellen Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung steigt der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung je nach Szenario von derzeit gut drei Prozent auf knapp unter fünf Prozent im Jahr 2050. Die Prognosen zeigen auch, dass von den finanziellen Mehrbelastungen vor allem die jüngeren Generationen betroffen wären. Der Wechsel der geburtenstarken Jahrgänge von der Gruppe der Beitragszahler in die der Empfänger von Pflegeleistungen wird die Situation zusätzlich verschärfen. Der Ausgleich zwischen den Generationen im Umlagesystem der SPV droht aus der Balance zu geraten. Aus den Berechnungen lässt sich ableiten, dass die Finanzierungsgrundlage eine Neujustierung benötigt.

Generationenausgleich innerhalb der Solidarumlage

Angesichts des in der Studie prognostizierten Finanzbedarfs reicht der jetzige Pflegevorsorgefonds für die zu bewältigende Finanzierungsaufgabe ebenso wenig aus wie die von der Versicherungswirtschaft vorgeschlagene Stärkung der Privatvorsorge. "Wir brauchen bei der Pflege einen neuen Generationenausgleich innerhalb des solidarischen Umlagesystems. Denn auch an der Vorsorge müssen alle nach ihrer Leistungsfähigkeit beteiligt werden", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Die Autoren der Studie haben daher die Finanzierungsoptionen in der SPV insbesondere mit Blick auf ihre Belastungseffekte zwischen den Generationen analysiert.

Die beste Lösungsvariante, um den Ausgabensteigerungen zu begegnen und zugleich mehr Generationengerechtigkeit zu schaffen, besteht der Studie zufolge darin, eine vorgezogene, moderate Anhebung des Beitragssatzes mit einem über die Jahre steigenden Zuschuss aus Steuermitteln zu verbinden. Dieser Bundeszuschuss läge zu Beginn bei jährlich 9,6 Milliarden Euro und würde bis 2050 auf 24,5 Milliarden Euro ansteigen. Die zunächst überschüssigen Mittel könnten dann in den bereits existierenden Pflegevorsorgefonds fließen und dazu dienen, den Beitragssatz bis 2050 stabil bei 3,5 Prozent zu halten. Durch den Ausbau des Fonds würden die künftigen Generationen am wenigsten zusätzlich belastet.

Leistungsfähigkeit aller Versicherten berücksichtigen

Die Einführung eines Zuschusses aus Steuermitteln würde neben einer Entlastung der Beitragszahler auch dazu führen, dass Besserverdienende oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze mit herangezogen würden. Diese sind heute oftmals privat versichert und somit dem Solidarausgleich der SPV entzogen. "Unabhängig davon müssen wir uns bei der Pflege- wie bei der Krankenversicherung fragen, ob die Aufspaltung in ein gesetzliches und privates Versicherungssystem noch zeitgemäß ist", so Mohn.

Aufwertung des Pflegeberufs als Empfehlung

Neben der Finanzierung haben die Autoren in der Studie weitere Faktoren untersucht, die für eine zukunftsfähige, bedarfsgerechte und qualitätsorientierte Pflegeversorgung in Deutschland von Bedeutung sind. Dazu zählen insbesondere die verfügbaren Pflegekräfte. Zwar ist der Personalbestand in der ambulanten und stationären Pflege von 2007 bis 2017 um durchschnittlich 25.000 Vollzeitstellen pro Jahr gewachsen. Doch diese Zunahme reicht nicht aus, um den steigenden Bedarf zu decken. Hinzu kommt, dass der Anteil der ausgebildeten Pflegefachkräfte am Gesamtpersonal im selben Zeitraum kontinuierlich zurückgegangen ist. Vor dem Hintergrund höherer Anforderungen und den sich wandelnden Aufgaben in der Langzeitpflege empfehlen die Autoren der Studie, den Pflegeberuf durch ein gestuftes Qualifikationsmodell aufzuwerten. So sollte es mehr Fachkräfte mit einem pflegewissenschaftlichen Hochschulabschluss geben, der hierzulande bisher nur eine marginale Rolle spielt. Wie Erfahrungen aus dem Ausland, etwa in den Niederlanden, zeigen, kann die Qualität der Pflege mit einer höheren Qualifikation der Pflegekräfte und einem intelligenten Fachkräftemix verbessert werden.

Zusatzinformationen
Die hier dargestellte Prognose basiert auf Modellrechnungen von Prognos. Diese wurden mit dem Sozialversicherungsmodell OCCUR durchgeführt. OCCUR (Outlook on Cure, Care, Unemployment and Retirement) ist ein integriertes Prognose- und Simulationsmodell, welches die zukünftige Entwicklung der Finanzierungsströme in und zwischen den Sozialversicherungssystemen detailliert abbildet. Die Berechnungen von Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Sozialversicherungszweige (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) werden dabei in einem konsistenten Referenzrahmen zur weltwirtschaftlichen Entwicklung (Prognos-Makromodell VIEW) durchgeführt. Die demografischen Rahmenbedingungen basieren auf der 13. koordinierten Vorausberechnung des Statistischen Bundesamts (Variante 2-A von 2017). Der Prognose zufolge nehmen die nominalen Lohnkosten (Arbeitnehmerentgelt je Stunde) in den beiden kommenden Dekaden um knapp vier Prozent pro Jahr zu. Die Zuwachsraten für die Bruttolöhne und -gehälter, in denen die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen nicht enthalten sind, liegen knapp darunter. Gegen Ende der 2030er Jahre, wenn die Dynamik des Anstiegs der Sozialbeiträge nachlässt, pendeln sich die Lohnzuwächse auf einem Niveau von etwa 3,5 Prozent ein. Die Zuwachsraten des realen Stundenlohns liegen bei rund 1,6 Prozent pro Jahr und damit in etwa auf dem Niveau des Produktivitätsfortschritts.

Unser Experte:
Dr. Stefan Etgeton, Telefon: 030 2757 88316
E-Mail: stefan.etgeton@bertelsmann-stiftung.de

Originalpublikation:
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... im-wandel/

Weitere Informationen:
https://www.bertelsmann-stiftung.de
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... rden-kann/
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... ft-pflege/

Quelle: Pressemitteilung vom 21.11.2019
Hendrik Baumann Pressestelle
Bertelsmann Stiftung
https://idw-online.de/de/news7275

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Siehe auch:
Langzeitpflege im Wandel
Die pflegerische Langzeitversorgung ist in den kommenden Jahren mit vielen Veränderungen konfrontiert. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wird bis zum Jahr 2050 um etwa 60 Prozent zunehmen.
Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersuchte Prognos Ansätze zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe in einer alternden Gesellschaft in Deutschland sowie die Perspektiven für die Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) bis 2050.
... (weiter lesen unter) ... > https://www.prognos.com/presse/news/det ... ae039aef5/
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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WernerSchell
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Finanzierung der Pflege durch Ausbau des Pflegevorsorgefonds angeregt

Beitrag von WernerSchell » 22.11.2019, 07:16

Deutsches Ärzteblatt vom 21.11.2019:
Finanzierung der Pflege durch Ausbau des Pflegevorsorgefonds angeregt
Gütersloh – Die Bertelsmann-Stiftung setzt sich für einen „Generationenausgleich“ innerhalb des solidarischen Systems der Pflegeversicherung gefordert. Angesichts der sich abzeichnenden Mehrausgaben in diesem Bereich reiche der heutige... [mehr] > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/31 ... 975-q1c096
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Studie: Pflegeversicherung dürfte bis 2050 erheblich teurer werden

Beitrag von WernerSchell » 22.11.2019, 09:31

Studie: Pflegeversicherung dürfte bis 2050 erheblich teurer werden
Wer bezahlt die höheren Pflegekosten? Die Versicherungsbeiträge steigen, und die Politik streitet über Steuerzuschüsse. Die Bertelsmann Stiftung hat nun einen neuen Vorschlag zum Generationenausgleich gemacht.
Quelle: Spiegel Online > https://newsletter.vzbv.de/d/d.html?o00 ... ujrf6dm6y6
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https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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