Pflegebeitrag wird wegen Ausgabenexplosion massiv erhöht … und die Pflegemisere bleibt gleichwohl unverändert bestehen!

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Heimkosten in letzten Jahren gestiegen - In NRW ist Pflege besonders teuer

Beitrag von WernerSchell » 13.10.2019, 06:49

Bonnder Generalanzeiger vom 12.10.2019:
Heimkosten in letzten Jahren gestiegen
In NRW ist Pflege besonders teuer

Berlin Wie aus neuen Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, müssen Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen besonders hohe Kosten tragen. Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung rechnet damit, dass diese noch weiter steigen.
Von Eva Quadbeck
Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen müssen für eine vollstationäre Versorgung im Heim im bundesweiten Vergleich besonders hohe Kosten tragen. In der Pflegestufe 5 fallen für einen Heimplatz im Durchschnitt 3731 Euro monatlich an, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Tendenziell sind die Kosten für Pflegeheime im Westen deutlich höher als im Osten. So zahlen Pflegebedürftige in Rheinland-Pfalz in der Stufe 5 im Schnitt 3467 Euro, Hessen liegt mit monatlich 3216 Euro leicht unter dem Bundesdurchschnitt, der 3348 Euro beträgt. Die höchsten Kosten für einen Pflegeheimbewohner findet man im Saarland mit 3776 Euro monatlich. Am wenigsten zahlen die Menschen in Sachsen mit 2796 Euro pro Monat.
... (weiter lesen unter) ... > https://www.general-anzeiger-bonn.de/ne ... d-46450895
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Pflegereform: DAK-Konzept deckelt Eigenanteile bis 2045

Beitrag von WernerSchell » 16.10.2019, 12:31

25 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung fordert die DAK-Gesundheit eine grundlegende Sozialreform. Derzeit sind viele Pflegebedürftige einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt, weil sie die steigenden Kosten einer Versorgung im Heim nicht zahlen können. In ihrem “Pflegereport 2019” legt die Krankenkasse ein detailliertes Konzept zur langfristigen Entlastung der Pflegebedürftigen vor. Durch eine neue Finanzarchitektur mit steigenden Steuerzuschüssen könnten die Eigenanteile der Versicherten bis zum Jahr 2045 gedeckelt werden. Das Ziel ist eine faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen. Lesen Sie mehr in unserer Pressemeldung.

DAK-Gesundheit
Pflegereform: DAK-Konzept deckelt Eigenanteile bis 2045
• Neue Finanzarchitektur entlastet Pflegebedürftige langfristig
• Steigender Steuerzuschuss für gesamtgesellschaftliche Aufgaben
• Report der DAK-Gesundheit zeigt Reformbedarf nach 25 Jahren Pflegeversicherung


25 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung fordert die DAK-Gesundheit eine grundlegende Sozialreform. In ihrem “Pflegereport 2019” legt die Krankenkasse ein detailliertes Konzept zur langfristigen Entlastung der Pflegebedürftigen vor. Durch eine neue Finanzarchitektur mit steigenden Steuerzuschüssen könnten die Eigenanteile der Versicherten bis zum Jahr 2045 gedeckelt werden. Das Ziel ist eine faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen. Erste konkrete Modellrechnungen halten eine Eigenbeteiligung von im Bundesdurchschnitt rund 450 Euro monatlich mit dynamischer Entwicklung für möglich. Im Gegenzug wird eine stufenweise Steuerfinanzierung bis 25 Prozent der Leistungsausgaben vorgeschlagen. Laut DAK-Pflegereport unterstützt auch die Mehrheit der Bevölkerung eine Begrenzung der Eigenanteile und eine Finanzierung aus Steuermitteln. Fast 80 Prozent der Befragten befürchten den Verlust sämtlicher Ersparnisse, wenn sie im Heim gepflegt werden müssen.
„Aktuell verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen im Pflegefall vor einem Armutsrisiko zu bewahren und die Kosten der Pflege fair zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen zu verteilen”, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Ordnungspolitisch brauchen wir für die kommenden 25 Jahre eine völlig neue Finanzstatik in der Pflege.” Erforderlich sei eine grundlegende Reform mit einer Mischfinanzierung aus Beitragseinnahmen und Steuerzuschüssen. „Wie das Kindergeld ist auch das Pflegegeld eine Sozialleistung mit gesamtgesellschaftlichem Charakter, der eine Steuerfinanzierung rechtfertigt”, betont Storm.
Im Reformkonzept der DAK-Gesundheit ist ein sogenannter Sockel-Spitze-Tausch Herzstück einer neuen Pflegeversicherung. Anders als bisher erhielten Pflegebedürftige mehr finanzielle Sicherheit, indem ihre Eigenanteile gedeckelt würden. Hierfür hat der Bremer Professor für Gesundheitsökonomie Heinz Rothgang für die Krankenkasse erstmals konkrete Modellrechnungen bis zum Jahr 2045 erstellt. Hierbei wird mit einem Sockelbetrag der Eigenbeteiligung von im bundesweiten Durchschnitt 450 Euro im Monat gestartet. Die Eigenanteile würden dann entsprechend der Lohnentwicklung dynamisch steigen. „Im Vergleich zu anderen Szenarien würden die finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen in absoluter Höhe geringer ausfallen“, sagt Rothgang. „Das Modell mit einem durchschnittlichen Sockelbetrag von 450 Euro ist daher eher geeignet, Sozialhilfeabhängigkeit zu vermeiden.“ Ohne Reformen gäbe es nach Rothgangs Berechnungen für die Pflegebedürftigen doppelt bis dreifach so hohe Eigenanteile wie heute. DAK-Vorstandschef Storm betont: „Durch unser Modell explodieren weder Eigenanteile noch Beitragssätze.”
Die Eigenanteile, die Pflegebedürftige für die Pflege im Heim zahlen müssen, sind je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Sie lagen im ersten Quartal 2019 zwischen 274 Euro in Thüringen und 925 Euro in Baden-Württemberg. Der Bundesschnitt betrug 662 Euro. Um Pflegebedürftige unabhängig von ihrem Wohnort zu entlasten, schlägt die DAK-Gesundheit zunächst unterschiedlich gedeckelte Eigenanteile je Bundesland vor, um schrittweise bis zum Jahr 2045 einen einheitlichen Wert zu erreichen. Um eine Lösung für die unterschiedlichen Belastungen in den 16 Bundesländern zu entwickeln, plädiert Andreas Storm zur Umsetzung der Pflegereform für eine gemeinsame Kommission von Bund und Ländern.
Die Realisierung der Pflegereform ist aus Sicht der DAK-Gesundheit durch eine langsam steigende Steuerfinanzierung möglich. Nach dem Vorschlag der Krankenkasse könnte im Jahr 2021 mit der schrittweisen Einführung eines Steuerzuschusses in Höhe von zunächst einer Milliarde Euro begonnen werden. Bis zum Jahr 2025 soll der Zuschuss schrittweise auf fünf Milliarden Euro steigen, was dann zehn Prozent der Jahresausgaben in der Pflegeversicherung entspräche. In kleinen Schritten ist dann eine stufenweise Erhöhung geplant, die im Jahr 2045 bis zu 25 Prozent der Leistungsausgaben abdeckt. Nach heutigem Stand entspräche dies einer Summe von rund 18,3 Milliarden Euro.
Eine Begrenzung der Eigenanteile und die Finanzierung der Mehrkosten aus Steuermitteln würden auch von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Das zeigt der aktuelle DAK-Pflegereport 2019 “25 Jahre Pflegeversicherung: Kosten der Pflege – Bilanz und Reformbedarf”. Nach einer repräsentativen und aktuellen Bevölkerungsumfrage durch das Institut für Demoskopie in Allensbach gibt es dringenden Reformbedarf. Obwohl drei Viertel der Befragten die Pflegeversicherung für sinnvoll halten, haben viele Menschen finanzielle Ängste. Fast 80 Prozent der Befragten befürchten, dass sie trotz Pflegeversicherung bei einer Pflege im Heim sämtliche Ersparnisse verlieren würden. Vier von zehn Befragten sehen eine “sehr starke Belastung” durch Pflegekosten. „Es öffnet sich ein politisches Opportunitätsfenster für eine dringend erforderliche Struktur- und Finanzierungsreform der Pflegeversicherung, die auch von der Bevölkerung erwartet wird“, sagt Pflegeexperte Professor Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg als Autor des DAK-Pflegereports. „Die Pflegeversicherung kann ihr Versprechen, das Armutsrisiko bei Pflegebedürftigkeit zu begrenzen, in der Zukunft nicht mehr einlösen. Die nächste Bundesregierung kann und darf dem Thema nicht ausweichen.“
Laut DAK-Pflegereport rechnet fast die Hälfte der Befragten in Zukunft mit deutlich steigenden Pflegebeiträgen. Allerdings wären nur 24 Prozent von ihnen bereit, künftig selbst höhere Beiträge für die Pflegeversicherung zu zahlen. Dreiviertel der Befragten sprechen sich für Reformmodelle aus, bei denen die Eigenanteile für die Pflege im Heim begrenzt werden. 58 Prozent sind der Meinung, dass die Mehrkosten für die Pflegeversicherung aus Steuermitteln finanziert werden sollten. Fast jeder Zweite kann sich auch eine Vollversicherung vorstellen.
Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Etwa ein Viertel davon wird stationär im Pflegeheim betreut. Die Ausgaben der Pflegeversicherung sind zwischen 2015 und 2018 von 29 auf 41 Milliarden Euro gestiegen.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.10.2019
DAK-Gesundheit
Pressestelle
Telefon: 040/2396-1409
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Pflegeversicherung muss leistungsfähiger werden

Beitrag von WernerSchell » 16.10.2019, 12:36

Diakonie-Zitat: Pflegeversicherung muss leistungsfähiger werden

Berlin, 16.Oktober 2019 Heute hat die DAK ihren Pflegereport 2019 vorgestellt. Anlässlich dessen sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland:

"Die Pflegeversicherung muss leistungsfähiger werden, damit die Eigenbeteiligung der Versicherten auf ein erträgliches Maß begrenzt wird. Außerdem muss nach unserer Vorstellung die häusliche Pflege durch Angehörige wesentlich besser unterstützt und durch flexible Angebote ambulanter Dienste ergänzt werden. Dass die DAK als Kranken- und Pflegekasse ein eigenes Konzept vorlegt, zeigt den dringenden Reformbedarf in der Pflegeversicherung."

Ähnlich wie die DAK tritt auch die Diakonie Deutschland für die Begrenzung der Eigenanteile ein - und damit für höhere und in Zukunft steigende Sachleistungen der Pflegeversicherung. "Ob und in welchem Umfang eine Steuerfinanzierung in der Pflegeversicherung der richtige Weg ist, bedarf noch einer gründlichen Diskussion", sagt Loheide, die Verständnis dafür zeigt, dass die Pflegekasse den Beitrag zur Pflegeversicherung im Blick hat. "Wichtig ist, dass die Gesellschaft sich ein realistisches Bild von den Kosten einer bedarfsgerechten Pflege macht und diese Kosten gerecht verteilt."

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.10.2019
Dr. Thomas Schiller, Leiter Kommunikation
Pressestelle, Zentrum Kommunikation
T +49 30 65211-1780
F +49 30 65211-3780
pressestelle@diakonie.de

Diakonie Deutschland
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Gerechte Pflege in einer sorgenden Gesellschaft – Wie gestalten wir Pflege zukunftsfähig?

Beitrag von WernerSchell » 16.10.2019, 12:43

Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Gerechte Pflege in einer sorgenden Gesellschaft – Wie gestalten wir Pflege zukunftsfähig? - ZdK-Podiumsveranstaltung mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn MdB

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Sachbereichssprecherin Hildegard Müller, Generalsekretär Dr. Stefan Vesper, Gesundheitsminister Jens Spahn, ZdK-Vizepräsidenten, Wolfgang Klose und Karin Kortmann ZdK/Molitor

„Es ist sehr gut, dass sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in der Weichenstellung zur Verbesserung der Pflegesituation einbringt“, lobte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn MdB gestern im Berliner St. Hedwig Krankenhaus vor rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Podiumsdiskussion, zu der der ZdK-Sachbereich „Wirtschaft und Soziales“ eingeladen hatte.
Unter der Moderation der Sprecherin des Sachbereichs, Hildegard Müller, diskutierten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Dr. Sylwia Timm (Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.), Prof. Dr. Hildegard Theobald (Universität Vechta) und Prof. Dr. Bernhard Emunds (Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt/Main) über Reformbedarfe in der Pflege.
Es gehe um den richtigen Ausgleich zwischen der Verantwortung von Familien für die Pflege und deren Leistungsfähigkeit, betonte Spahn in einem Impulsvortrag. „Wir müssen alle Register ziehen, von der Reform der Pflegeausbildung über Anstrengungen in Umschulung und Weiterqualifizierung bis zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte, um die offenen Stellen in der Pflege zeitnah besetzen zu können.“
Die politische Diskussion fokussiere derzeit die professionelle Pflege in stationären Einrichtungen und ambulanten Diensten, unterstrich Hildegard Müller. Dies ist eine wichtige Aufgabe. Die Probleme der häuslichen Pflege sollten darüber jedoch nicht aus dem Blick geraten „Viele Familien stellen zur Unterstützung Pflegekräfte aus Mittel- und Osteuropa ein, dies allerdings oft zu arbeitsrechtlich und ethisch problematischen Bedingungen“, so die Sprecherin wörtlich. „Unter Einbezug der ambulanten Pflegedienste sollte ein Netzwerk informeller und professioneller Sorgearbeit aufgebaut werden.“
Im November 2018 hatte das ZdK die Erklärung „Gerechte Pflege in einer sorgenden Gesellschaft – Zur Zukunft der Pflegearbeit in Deutschland“ veröffentlicht. Prof. Dr. Bernhard Emunds vom Nell-Breuning-Institut der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen erläuterte: „Am Beispiel der Pflegearbeit möchte das ZdK eine gesellschaftliche Debatte anzetteln über die fundamentale Bedeutung von Sorgearbeit. Die Zielperspektive ist eine sorgende Gesellschaft, in der es für Männer und Frauen zum Leben dazugehört, Sorgearbeit zu übernehmen, und in der hochwertige soziale Dienstleistungen von qualifizierten Beschäftigten zu guten Bedingungen erbracht werden.“
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wurde sich darüber ausgetauscht, wie häusliche Pflege heute und in Zukunft gerecht gestaltet und besser mit stationärer Pflege kombiniert werden könne und wie auch die sogenannte 24-Stunden-Pflege besser in den Blick genommen werden kann. Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen wurden hierbei verstärkt in den Fokus gesetzt.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.10.2019
Pressestelle Hochkreuzallee 246. 53175 Bonn Postfach 24 01 41. 53154 Bonn
Postfach 24 01 41. 53154 Bonn
Tel. +49. (0) 228. 38 297 - 28 Fax +49. (0) 228. 38 297 - 48
Mail presse@zdk.de Web www.zdk.de
Herausgeber
Dr. Stefan Vesper Generalsekretär

Redaktion
Theodor Bolzenius Pressesprecher

Podiumsveranstaltung
Gerechte Pflege in einer sorgenden Gesellschaft – Wie gestalten wir Pflege zukunftsfähig?
Audiomitschnitt | Gerechte Pflege am 15. Oktober 2019 >>> https://www.zdk.de/cache/f47407b4a44fc2 ... d58820.mp3


+++
Die Groko hat eine Reform der Pflegeversicherung vereinbart. Was bislang bekannt geworden ist, muss als wenig hilfreich eingestuft werden. Vor allem fehlt es an einer ausreichenden Finanzierung der verschiedenen Vorschläge. Dazu hat Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk u.a. ausgeführt:
Die "Konzertierte Aktion Pflege" (KAP) hat einen Maßnahmenkatalog ohne Finanzierungsbasis präsentiert. So lassen sich der Pflegenotstand - ambulant und stationär - nicht auflösen. "Ohne Moos nichts los!" Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat am 17.07.2019 Stellung genommen! - Näheres unter > http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... 98#p109698
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Grundlegend neue Pflegefinanzierung gefordert

Beitrag von WernerSchell » 16.10.2019, 12:52

DAK Pflegereport
Grundlegend neue Pflegefinanzierung gefordert

Angesichts immer weiter steigender Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien fordert die Krankenkasse DAK eine grundlegend neue Finanzierung. Aktuell verfehle die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, Menschen vor einem Armutsrisiko zu bewahren und die Kosten der Pflege fair zu verteilen.
Von Thomas Hommel
BERLIN. Die DAK-Gesundheit hat sich für grundlegende Änderungen bei der Pflegefinanzierung ausgesprochen. „Aktuell verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen im Pflegefall vor dem Armutsrisiko zu bewahren und die Kosten der Pflege fair zu verteilen“, sagte der Vorstandschef der Kasse, Andreas Storm, bei der Vorstellung des neuen „DAK-Pflegereports“ am Mittwoch. ... >>> http://ods-mailing.springer-sbm.com/red ... 79AA66BFC8
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Die Säulen des Pflegesystems brauchen nachhaltige Stabilisierung

Beitrag von WernerSchell » 16.10.2019, 13:55

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Die Säulen des Pflegesystems brauchen nachhaltige Stabilisierung

Dass seit 25 Jahren das Risiko von Pflegebedürftigkeit durch einen Zweig des Sozialversicherungssystems, die solidarische Pflegeversicherung, zumindest teilweise abgefedert wird, ist wichtig. Dass jetzt auch ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff zugrunde gelegt wird und Leistungen gerechter vergibt an die Menschen, die sie benötigen, war ebenfalls ein richtiger Schritt. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) weist darauf hin, dass das deutsche Pflegesystem inzwischen aber an Grenzen stößt. „Zentrale Säulen, die das System tragen, sind zunehmend brüchig geworden. Es wird Zeit für eine grundlegende Reform der Pflege, damit die sich abzeichnenden Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte bewältigt werden können“, erklärt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Unser Ziel muss sein, das Pflegesystem zu stabilisieren und so aufzustellen, dass es die jüngeren Generationen nicht überfordert und Menschen sich im Alter und bei Pflegebedarf gut versorgt wissen“, so Bienstein.

Reformbedarf zur nachhaltigen Stabilisierung besteht nach Ansicht des DBfK in etlichen zentralen Aspekten der Pflege, z.B. bei:

- Finanzierung,
- Verlässlichkeit,
- Qualitätsniveau,
- Bedarfsorientierung,
- Personalbemessung, insbesondere des Pflegefachpersonals,
- Qualifizierung des Pflegepersonals,
- Leistungs- und Kostentransparenz,
- Infrastruktur (Angebote der Kurzzeit- und Tagespflege)
- Bedarfsgerechte aufsuchende Beratung,
- Generationen- und Geschlechtergerechtigkeit,
- Verteilung der Kosten zwischen Steuerzahlern, Beitragszahlern und Betroffenen,
- Anreize, die Über-, Unter- und Fehlversorgung verhindern,
- Effizienz durch Überwinden der Sektorentrennung usw.

Im geltenden Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung versprochen: „Wir werden sicherstellen, dass alle auch zukünftig eine gute, flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung von Beginn bis zum Ende ihres Lebens erhalten, unabhängig von ihrem Einkommen und Wohnort.“ Damit das gelingt, müssen jetzt die Weichen richtig gestellt und eine gesellschaftliche Diskussion zur Zukunft der Pflege angestoßen werden.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.10.2019
Johanna Knüppel, Referentin, Sprecherin, Redakteurin
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
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DAK-Gesundheit für Umbau der Pflegeversicherung

Beitrag von WernerSchell » 16.10.2019, 16:53

Deutsches Ärzteblatt vom 16.10.2019:
DAK-Gesundheit für Umbau der Pflegeversicherung
Berlin – 25 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung hat die DAK-Gesundheit eine grundlegende Reform zur finanziellen Entlastung der Pflegebedürftigen gefordert. Im Rahmen des heute vorgestellten Pflegereports 2019 legte die Kasse ein... > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/31 ... 975-pzh4jf
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Pflegereport 2019 - 25 Jahre Pflegeversicherung: Kosten der Pflege - Bilanz und Reformbedarf

Beitrag von WernerSchell » 18.10.2019, 17:03

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Pflegereport 2019
25 Jahre Pflegeversicherung:
Kosten der Pflege - Bilanz und Reformbedarf

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25 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung werden grundlegende Reformen diskutiert: Gesucht wird vor allem ein neues Finanzierungsmodell. Es liegen verschiedene Vorschläge auf dem Tisch, die von einer Dynamisierung der Beiträge bis zur Vollversicherung reichen. Das gemeinsame Ziel der Ansätze ist eine Entlastung der Betroffenen, die aufgrund steigender Eigenanteile für die Pflegeheimkosten und zu erwartender weiterer Beitragssteigerungen an ihre finanziellen Grenzen stoßen.

Der Pflegereport 2019 möchte die Debatte voranbringen. Er analysiert und bilanziert die Kosten der Pflege – für die Pflegeversicherung und die Sozialhilfe, aus der Sicht der Betroffenen und der Bevölkerung. Er skizziert die Optionen, mit denen die Pflegeversicherung zukunftsfest gemacht werden kann. Die wichtigsten Reformvorschläge werden anhand von Modellrechnungen tiefer analysiert.

Die Ergebnisse des Pflegereportes untermauern die Dringlichkeit grundlegender Reformen: Denn die Pflegeversicherung, die als Erfolgsmodell gestartet ist, verliert angesichts der finanziellen Belastung des Einzelnen in ihrer jetzigen Form an Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit. „Für viele Pflegebedürftige und deren Familien sind die Pflegekosten mittlerweile zu hoch. Wir brauchen daher eine grundlegende Reform der Finanzierung, um die Pflegeversicherung zukunftsfest zu machen. Der Pflegereport 2019 analysiert vorliegende Reformvorschläge und leistet so einen
wichtigen Beitrag, um die Debatte voranzubringen“, so Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

„Eine faire Verteilung der Pflege- und Sorgeaufgaben und eine neue Architektur der Finanzierung des Pflegerisikos sind gefragt, wenn die Pflege aus dem Notstand geführt werden soll. Das zeigen die Analysen des Pflegereportes 2019. Die Politik öffnet sich mehr und mehr der Notwendigkeit einer grundlegenden Reform. Wie vor 25 Jahren“, so Prof. Dr. Thomas Klie, Professor an der Evangelischen Hochschule Freiburg, Institutsleiter AGP Sozialforschung, Privatdozent Alpen-AdriaUniversität Klagenfurt.

Der Herausgeber:
Andreas Storm ist Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit.
Der Autor:
Prof. Dr. Thomas Klie, Jahrgang 1955, Professor für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaftan der Evangelischen Hochschule Freiburg, Rechtsanwalt. Case Management Ausbildung (DGCC) an der IFW Freiburg. Herausgeber und Schriftführer der Zeitschrift Case Management. Leiter des AGP – Institut für angewandte Sozialwissenschaft im FIVE e.V. Freiburg.

Bibliografische Angaben:
Strom (Hrsg.): Pflegereport 2019.
25 Jahre Pflegeversicherung: Kosten der Pflege – Bilanz und Reformbedarf
Softcover. IX, 243 Seiten. 24,99 €. ISBN 978-3-86216- 580-3

Quelle: Pressemitteilung: Pflegereport 2019 vom 18.10.2019
Kontakt: medhochzwei Verlag GmbH
Alte Eppelheimer Str. 42/1
69115 Heidelberg
presse@medhochzwei-verlag.de
Tel.: 06221 / 91496-16
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Spahn will Kinderlose stärker an Pflegeversicherung beteiligen

Beitrag von WernerSchell » 18.10.2019, 17:11

Deutsches Ärzteblatt vom 18.10.2019:
Spahn will Kinderlose stärker an Pflegeversicherung beteiligen
Berlin – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat dafür geworben, die Leistungen von Familien bei der Pflegeversicherung mittelfristig stärker zu berücksichtigen. Dabei gehe es vor allem um eine Entlastung von Familien, sagte er gestern in... [mehr] > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/31 ... 975-pzkuv3
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ZWEI-SÄULEN-STRATEGIE IN DER PFLEGEFINANZIERUNG - Einführung einer Eigenanteilsversicherung

Beitrag von WernerSchell » 21.11.2019, 07:40

Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

ZWEI-SÄULEN-STRATEGIE IN DER PFLEGEFINANZIERUNG
Einführung einer Eigenanteilsversicherung


Die gesetzliche Pflegeversicherung ist als Teilleistungsversicherung konzipiert, ein Teil der tatsächlich anfallenden Pflegekosten muss seit jeher von den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Allerdings ist dieser selbst zu finanzierende Anteil an den Pflegekosten seit Einführung der Versicherung fast kontinuierlich gestiegen – selbst die jüngsten Pflegereformen konnten diesen Trend nicht umkehren.

SUSANNA KOCHSKÄMPER / CHRISTINE ARENTZ / MAIK MORITZ ·IW-POLICY PAPER NR. 12 · 20. NOVEMBER 2019

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Die steigenden Eigenanteile stehen zunehmend in der Kritik. Zudem wird befürchtet, dass gegenwärtige Reformvorhaben noch einmal deutliche Steigerungen der Pflegekosten – und damit auch der Eigenanteile – hervorbringen.

Ein aktuell in der Politik diskutierter Reformvorschlag nimmt sich dieses Problems an. Vorgeschlagen wird ein sogenannter Sockel-Spitze-Tausch, der die pflegebedingten Eigenanteile deckeln soll. Allerdings würde dadurch der Umlageanteil in der Pflegeversicherung ausgeweitet. In Zeiten des demografischen Wandels erscheint dies riskant. Auf mittlere Sicht besteht dann das politische Risiko, Leistungen kürzen zu müssen, weil der Druck auf den Beitragssatz und damit die Belastung der jüngeren Generationen zu stark steigen.

Deshalb wird in diesem Papier ein alternativer Reformvorschlag erarbeitet. Kern des Vorschlags ist es, das heutige System der Pflegefinanzierung auf zwei Säulen zu stützen: Die gegenwärtige gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt einen gesetzlich fixierten prozentualen Anteil an den Gesamtkosten, eine kapitalgedeckte Eigenanteilsversicherung den verbleibenden Anteil – gegebenenfalls mit einem politisch definierten Selbstbehalt versehen. Ob diese zweite Säule verpflichtend eingeführt wird oder freiwillig verbleibt, wird hier offengelassen und nur gezeigt, welche flankierenden sozialpolitischen Maßnahmen ergriffen werden müssen, sollte die Eigenanteilsversicherung tatsächlich verpflichtend eingeführt werden.

Die Umstellung auf eine Zwei-Säulen-Strategie bietet der Politik auch die Möglichkeit, die Mischung von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren so zu justieren, dass die heute bereits im Umlagesystem der sozialen Pflegeversicherung angelegten Belastungen für die jüngeren und zukünftigen Generationen nicht weiter erhöht oder sogar verringert werden. Ein deutlicher Vorteil eines solchen Modells liegt somit darin, dass die Lastverschiebung zwischen den Generationen im Umfang der kapitalgedeckt finanzierten Leistungen begrenzt werden kann, ohne Leistungsversprechen insgesamt einzuschränken.


IW-POLICY PAPER
Susanna Kochskämper / Christine Arentz / Maik Moritz: Zwei-Säulen-Strategie in der Pflegefinanzierung: Einführung einer Eigenanteilsversicherung - Zum künftigen Umgang mit den selbst zu tragenden Pflegekosten
DOWNLOAD > https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_u ... ierung.pdf


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Deutsches Ärzteblatt vom 20.11.2019
Wirtschaftsinstitut für Systemwechsel bei Pflegeversicherung
Hannover – In der Debatte um die Zukunft der Pflegeversicherung fordert das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) einen Systemwechsel. „Kern des Vorschlags ist es, das heutige System der Pflegefinanzierung auf zwei Säulen zu... > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/31 ... 975-q1a3t1
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Pflegeversicherung: Jüngere Generation durch solidarischen Ausbau des Vorsorgefonds entlasten

Beitrag von WernerSchell » 21.11.2019, 08:20

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Pflegeversicherung: Jüngere Generation durch solidarischen Ausbau des Vorsorgefonds entlasten

Steigende Pflegekosten treffen vor allem die jüngeren Generationen. Für die aktuelle Studie "Langzeitpflege im Wandel" hat die Bertelsmann Stiftung verschiedene Szenarien zur künftigen Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) aufstellen lassen und dabei die unterschiedlichen Belastungen für jüngere und ältere Beitragszahler in den Blick genommen. Eine vorgezogene Beitragsanhebung und ein Bundeszuschuss aus Steuermitteln zum Ausbau des Pflegevorsorgefonds wären dazu geeignet, die zusätzlichen Kosten zu decken und zugleich die jüngere Generation zu entlasten.

Gütersloh, 21. November 2019. Eine älter werdende Bevölkerung, ein steigender Pflegebedarf, ein Ausbau der Pflegestellen und eine bessere Entlohnung der Pflegekräfte – all dies wird in den kommenden Jahrzehnten zu einem deutlichen Anstieg der Ausgaben für professionelle Pflege führen. Nach aktuellen Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung steigt der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung je nach Szenario von derzeit gut drei Prozent auf knapp unter fünf Prozent im Jahr 2050. Die Prognosen zeigen auch, dass von den finanziellen Mehrbelastungen vor allem die jüngeren Generationen betroffen wären. Der Wechsel der geburtenstarken Jahrgänge von der Gruppe der Beitragszahler in die der Empfänger von Pflegeleistungen wird die Situation zusätzlich verschärfen. Der Ausgleich zwischen den Generationen im Umlagesystem der SPV droht aus der Balance zu geraten. Aus den Berechnungen lässt sich ableiten, dass die Finanzierungsgrundlage eine Neujustierung benötigt.

Generationenausgleich innerhalb der Solidarumlage

Angesichts des in der Studie prognostizierten Finanzbedarfs reicht der jetzige Pflegevorsorgefonds für die zu bewältigende Finanzierungsaufgabe ebenso wenig aus wie die von der Versicherungswirtschaft vorgeschlagene Stärkung der Privatvorsorge. "Wir brauchen bei der Pflege einen neuen Generationenausgleich innerhalb des solidarischen Umlagesystems. Denn auch an der Vorsorge müssen alle nach ihrer Leistungsfähigkeit beteiligt werden", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Die Autoren der Studie haben daher die Finanzierungsoptionen in der SPV insbesondere mit Blick auf ihre Belastungseffekte zwischen den Generationen analysiert.

Die beste Lösungsvariante, um den Ausgabensteigerungen zu begegnen und zugleich mehr Generationengerechtigkeit zu schaffen, besteht der Studie zufolge darin, eine vorgezogene, moderate Anhebung des Beitragssatzes mit einem über die Jahre steigenden Zuschuss aus Steuermitteln zu verbinden. Dieser Bundeszuschuss läge zu Beginn bei jährlich 9,6 Milliarden Euro und würde bis 2050 auf 24,5 Milliarden Euro ansteigen. Die zunächst überschüssigen Mittel könnten dann in den bereits existierenden Pflegevorsorgefonds fließen und dazu dienen, den Beitragssatz bis 2050 stabil bei 3,5 Prozent zu halten. Durch den Ausbau des Fonds würden die künftigen Generationen am wenigsten zusätzlich belastet.

Leistungsfähigkeit aller Versicherten berücksichtigen

Die Einführung eines Zuschusses aus Steuermitteln würde neben einer Entlastung der Beitragszahler auch dazu führen, dass Besserverdienende oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze mit herangezogen würden. Diese sind heute oftmals privat versichert und somit dem Solidarausgleich der SPV entzogen. "Unabhängig davon müssen wir uns bei der Pflege- wie bei der Krankenversicherung fragen, ob die Aufspaltung in ein gesetzliches und privates Versicherungssystem noch zeitgemäß ist", so Mohn.

Aufwertung des Pflegeberufs als Empfehlung

Neben der Finanzierung haben die Autoren in der Studie weitere Faktoren untersucht, die für eine zukunftsfähige, bedarfsgerechte und qualitätsorientierte Pflegeversorgung in Deutschland von Bedeutung sind. Dazu zählen insbesondere die verfügbaren Pflegekräfte. Zwar ist der Personalbestand in der ambulanten und stationären Pflege von 2007 bis 2017 um durchschnittlich 25.000 Vollzeitstellen pro Jahr gewachsen. Doch diese Zunahme reicht nicht aus, um den steigenden Bedarf zu decken. Hinzu kommt, dass der Anteil der ausgebildeten Pflegefachkräfte am Gesamtpersonal im selben Zeitraum kontinuierlich zurückgegangen ist. Vor dem Hintergrund höherer Anforderungen und den sich wandelnden Aufgaben in der Langzeitpflege empfehlen die Autoren der Studie, den Pflegeberuf durch ein gestuftes Qualifikationsmodell aufzuwerten. So sollte es mehr Fachkräfte mit einem pflegewissenschaftlichen Hochschulabschluss geben, der hierzulande bisher nur eine marginale Rolle spielt. Wie Erfahrungen aus dem Ausland, etwa in den Niederlanden, zeigen, kann die Qualität der Pflege mit einer höheren Qualifikation der Pflegekräfte und einem intelligenten Fachkräftemix verbessert werden.

Zusatzinformationen
Die hier dargestellte Prognose basiert auf Modellrechnungen von Prognos. Diese wurden mit dem Sozialversicherungsmodell OCCUR durchgeführt. OCCUR (Outlook on Cure, Care, Unemployment and Retirement) ist ein integriertes Prognose- und Simulationsmodell, welches die zukünftige Entwicklung der Finanzierungsströme in und zwischen den Sozialversicherungssystemen detailliert abbildet. Die Berechnungen von Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Sozialversicherungszweige (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) werden dabei in einem konsistenten Referenzrahmen zur weltwirtschaftlichen Entwicklung (Prognos-Makromodell VIEW) durchgeführt. Die demografischen Rahmenbedingungen basieren auf der 13. koordinierten Vorausberechnung des Statistischen Bundesamts (Variante 2-A von 2017). Der Prognose zufolge nehmen die nominalen Lohnkosten (Arbeitnehmerentgelt je Stunde) in den beiden kommenden Dekaden um knapp vier Prozent pro Jahr zu. Die Zuwachsraten für die Bruttolöhne und -gehälter, in denen die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen nicht enthalten sind, liegen knapp darunter. Gegen Ende der 2030er Jahre, wenn die Dynamik des Anstiegs der Sozialbeiträge nachlässt, pendeln sich die Lohnzuwächse auf einem Niveau von etwa 3,5 Prozent ein. Die Zuwachsraten des realen Stundenlohns liegen bei rund 1,6 Prozent pro Jahr und damit in etwa auf dem Niveau des Produktivitätsfortschritts.

Unser Experte:
Dr. Stefan Etgeton, Telefon: 030 2757 88316
E-Mail: stefan.etgeton@bertelsmann-stiftung.de

Originalpublikation:
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... im-wandel/

Weitere Informationen:
https://www.bertelsmann-stiftung.de
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... rden-kann/
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... ft-pflege/

Quelle: Pressemitteilung vom 21.11.2019
Hendrik Baumann Pressestelle
Bertelsmann Stiftung
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Überbelastung von Pflegebedürftigen auffangen

Beitrag von WernerSchell » 07.01.2020, 07:16

Ärzte Zeitung vom 07.01.2020:

Verbraucherzentralen
Überbelastung von Pflegebedürftigen auffangen

Berlin. Angesichts steigender Zuzahlungen für die Pflege fordern die Verbraucherzentralen ein rasches Gegensteuern der Politik.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) solle dringend dafür sorgen, dass die Überbelastung der Pflegebedürftigen aufgefangen werde, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei eine soziale solidarische Aufgabe, die auch Geld koste. Viel gewonnen wäre schon mit regelmäßigen Anhebungen der Pflegeversicherungsleistungen, damit die eigenen Belastungen nicht weiter von Jahr zu Jahr stiegen.
... (weiter lesen unter) ... > http://nlcontent.aerztezeitung.de/d-red ... &tags=test
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Altenpflege - Fünf Milliarden Euro mehr im Jahr für Pflegekräfte

Beitrag von WernerSchell » 04.03.2020, 08:15

Ärzte Zeitung vom 04.03.2020

Pflegereform
Fünf Milliarden Euro mehr im Jahr für Pflegekräfte


Die SPD will noch in dieser Legislatur eine Reform der Pflegeversicherung auf die Tagesordnung setzen. Die Lohnlücke zu Lasten der Altenpflege solle rasch geschlossen werden.
Von Anno Fricke
Berlin. Noch in der laufenden Legislaturperiode will die SPD die Pflegeversicherung neu aufstellen. Die Reform solle die Deckung des Personalbedarfs, die Finanzierung, die Entlastung pflegender Angehöriger und eine stärkere Einbindung der Kommunen umfassen.
Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bereits angekündigt, die Finanzierung der Pflegeversicherung anzugehen, besteht aber auf einer vorgeschalteten, breiten gesellschaftlichen Debatte.
... (weiter lesen unter) ... > https://www.aerztezeitung.de/Politik/Fu ... 2788019YI4
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Westerfellhaus mahnt Reform für die Pflege an

Beitrag von WernerSchell » 11.05.2020, 16:47

Ärzte Zeitung vom 11.05.2020:

Tarifvertrag
Westerfellhaus mahnt Reform für die Pflege an


Die Coronakrise hat den Reformprozess der Pflegefinanzierung jäh unterbrochen. Daran erinnert der Pflegebevollmächtigte der Regierung. Seine Pläne können teuer werden.
Von Anno Fricke
Berlin. Optimale Arbeitsbedingungen und faire Gehälter fordert der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus für die Beschäftigten der Pflegebranche. Der Aussage, die Pflege sei systemrelevant, müssen endlich auch Taten folgen, sagte Westerfellhaus am Vortag des Internationalen Tags der Pflege. Zur Aufwertung der Pflege fordert er auch die Übertragung heilkundlicher Aufgaben auf Pflegekräfte.
Fünf Punkte für die Pflege
... (weiter lesen unter) ... > https://www.aerztezeitung.de/Politik/We ... 09346.html


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Anmerkung:
Umfängliche Vorschläge für die gebotenen Reformen liegen seit Jahren dem Bundesgesundheitsministerium vor. Bisher hat es dazu als Rückmeldung nur Sprechblasen gegeben. Vom Rothgang-Gutachten, das für die Pflegeeinrichtungen von rd. 36% vorsieht, hört man ebenfalls nichts. - Werner Schell
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