Demografie als Herausforderung für die Wirtschaft

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Demografie als Herausforderung für die Wirtschaft

Beitrag von Presse » 03.08.2011, 10:36

Demografie als Herausforderung für die Wirtschaft - IAT und DISW veröffentlichen Jahrbuch Seniorenwirtschaft

Die Alten in Deutschland werden immer mehr und immer älter: Mit dem demografischen Wandel steigt die Zahl der über 60jährigen in Deutschland von 20 Millionen im Jahr 2001 auf voraussichtlich 28 Millionen 2030 an – jeder dritte Bundesbürger zählt dann dazu. Die Zahl der Hochbetagten über 80 wird in diesem Zeitraum um 2,5 Millionen zunehmen und sich bis 2050 nahezu verdreifachen. Lange Zeit standen die finanziellen Belastungen, die das Altern der Gesellschaft für Wirtschaft und Sozialkassen nach sich zieht, im Vordergrund. „Heute werden neben den Risiken zunehmend die Chancen und Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft thematisiert“, so PD Dr. Josef Hilbert, Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT / FH Gelsenkirchen).

Diese Diskussion greift das IAT zusammen mit dem Deutschen Institut für Sozialwirtschaft (DISW/ Kiel) im soeben erschienenen Jahrbuch Seniorenwirtschaft 2011 auf. Der Band aus dem Nomos-Verlag bietet in 14 Beiträgen auf 150 Seiten eine Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungstrends in der Seniorenwirtschaft. Sowohl nationale und internationale Veränderungen der sozial- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden analysiert als auch neue Konsum- und Markttrends eingeordnet und erörtert. Diese Impulse bilden die Ausgangslage für neue Strategien in der sozialen und ökonomischen Gestaltung des demografischen Wandels. Sowohl Wissenschaftler wie auch Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen und Einrichtungen der Seniorenwirtschaft finden in den Beiträgen eine Fülle von Informationen und Anregungen.

Seniorenwirtschaft 2011 - aus dem Inhalt:

Einkommensentwicklung und Konsumverhalten älterer Menschen in Deutschland, Von der Last zur Chance – Das Altern der Gesellschaft im Paradigmenwechsel, Seniorenwirtschaft – Konturen eines Wachstumsmarktes, die Bundesinitiative „Wirtschaftskraft Alter“ wird vorgestellt, Kommunale Seniorenpolitik und Altenhilfe, Netzwerke und Serviceverbünde, Gestaltung der Wohnumwelt älterer Menschen, Mobile Angebote in Bildung, Kunst und Kultur, die Alternde Gesellschaft im Nachbarland Schweiz, die Türkei auf dem Weg zur Pflegeversicherung, seniorenwirtschaftliche Initiativen und Aktivitäten in Europa sowie die Zukunftsaussichten der Seniorenwirtschaft.

Ihre Ansprechpartner:
PD Dr. Josef Hilbert, Durchwahl: 0209/1707-120, E-Mail: hilbert@iat.eu;
Peter Enste, Durchwahl: 0209/1707-133, E-Mail: enste@iat.eu; Michael Cirkel, Durchwahl: 0209/1707-344, E-Mail: cirkel@iat.eu

Quelle: Pressemitteilung vom 03.08.2011
Claudia Braczko
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut Arbeit und Technik
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Telefon: 0209/1707-176
E-Mail: braczko@iat.eu
Web: http://www.iat.eu

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Demografischer Wandel ...

Beitrag von Presse » 05.06.2012, 06:55

Henning Scherf stellt die „real praktizierte Antwort auf den demografischen Wandel“ vor

Im Mittelpunkt der Immobiliendebatte 2012 an der HAWK in Holzminden stehen Beispiele aus der Praxis

„Älter, fitter, ärmer? – Wie gehen Städte und Kommunen mit den demografischen Wandel um?“ ist der provokante Titel der Immobiliendebatte 2012, die jetzt an der HAWK in Holzminden stattgefunden hat – eine Veranstaltung der HAWK-Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen, der „Interdisziplinären Arbeitsgruppe Demographie und Sozialer Raum“ in Holzminden, der Zeitschrift Immobilienmanager und des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Insgesamt war es die vierte Immobiliendebatte. Praktiker hatten hier das Wort, die dem Thema Demografischer Wandel schon Antworten entgegen gesetzt haben.

Dr. Wolfgang Wiese, Bürgermeister von Cloppenburg in Niedersachsen, wurde von der Bild-Zeitung vor acht Jahren zum „Babymeister“ der Nation gekürt, denn seine Stadt hat eine Geburtenrate von 1,9, während der Bundesdurchschnitt bei 1,4 pro Frau liegt. Wiese führt den Kinderreichtum auf regionale Besonderheiten und stete Familienförderung zurück. Trotzdem bereitet er seine Stadt auf den demografischen Wandel vor, in dem er zum Beispiel beim Thema Stadtentwicklung auf angepasste Wohnmodelle setzt. „Wenn wir weniger werden, wird nicht mehr jeder in einem Einfamilienhaus wohnen können. Wir müssen passende Wohnungen bereit halten.“

In Aschersleben ist schon 2002 erkannt worden, dass die Bevölkerungszahl rapide abnimmt. Heute hat die Kleinstadt in Sachsen-Anhalt nur noch 29 000 Einwohner. Bis 2030 ist ein Minus von 22,9 Prozent prognostiziert. Oberbürgermeister Andreas Michelmann hat seine Bürgerinnen und Bürger in der Vergangenheit mit harten Entscheidungen bis hin zum Abriss von ganzen Wohnblocks konfrontieren müssen. Von sechs Grundschulen hat er drei behalten, Kindertagesstätten konsequent privatisiert. Bildungs- und Stadtentwicklungspolitik muss aus seiner Sicht kombiniert und konzentriert werden. Spektakuläre Aufbauprojekte wie eine Kreativwerkstatt in einem ehemaligen Fabrikgebäude gehören auch in den Maßnahmenkatalog. Man müsse aber einen langen Atem haben und nicht auf Wahlergebnisse schauen, wenn man das Konzept durchziehen will: „Es funktioniert nur, wenn man den Bürgern von vornherein reinen Wein einschenkt, zu den Entscheidungen steht und sie tatsächlich umsetzt“, ist Michelmanns Erfahrung.

Dr. Andreas Hollstein ist Bürgermeister von Altena in Nordrhein-Westfalen. Auch hier ist der Bevölkerungsrückgang in vollem Gange. Von 1990 bis 2005 waren es allein minus 15 Prozent. Heute zählt die Stadt 18.000 Einwohner und das ist vielleicht noch nicht das Ende. Altena wurde deshalb von der Bertelsmann-Stiftung als Pilotkommune für das Projekt „Neues Altern in der Stadt“(„NAIS“) ausgewählt. „Weniger Einwohner heißt auch, dass die Infrastruktur in den Straßen, dass Gas, dass Wasser teurer wird, weil weniger Einwohner dieselbe Infrastruktur unterhalten müssen.“ Hollstein fordert eine neue Generationenpolitik. Besonders schwierig sei den Bürgern die Zweigleisigkeit aus Sparen und Investieren zu vermitteln. So müsse auf der einen Seite eben über Schließungen nachgedacht werden. Andererseits investiert die Stadt Altena jetzt in eine touristische Attraktion: Die alte Burg soll jetzt vom kleinen Fluss über einen Tunnel und einen „Eventaufzug“ erreichbar werden.

„Wir werden weniger, älter, bunter“ – so fasste Dr. Christoph Wilk, Ministerialdirigent in der Niedersächsischen Staatskanzlei die Entwicklung zusammen. Niedersachsen rechnet von 2010 bis 2060 mit einem Bevölkerungsrückgang um 21,8 Prozent, was in etwa dem erwarteten Bundesdurchschnitt entspricht. Derzeit ist das „Handlungskonzept Demografischer Wandel in Niedersachsen“ in Arbeit, das sich mit unterschiedlichen Themenbereichen befasst und jeweils Handlungsanleitungen anbietet. Aber es gebe keine Patentrezepte, sagte Wilk. Denn allein in Niedersachsen seien die Unterschiede so eklatant, dass jede Kommune eigene Wege entwickeln müsse. So sei der Bevölkerungsrückgang in Salzgitter jetzt schon dramatisch, während beispielsweise die Stadt Hildesheim noch gewachsen sei.

Einer, der sowohl als Bürgermeister als auch als Senior viel Erfahrung hat, ist Henning Scherf, Altbürgermeister von Bremen. Scherf war noch keine fünfzig Jahre alt, da hat er mit seiner Frau beschlossen, nach dem Auszug der Kinder das Einfamilienhaus zu verkaufen und mit Gleichgesinnten mitten in Bremen „aus alten Gemäuern etwas Neues entstehen lassen“. Seine „real praktizierte Antwort auf den demografischen Wandel“ sei , „anders alt zu werden, mit Gebrechlichkeit und Sterben umgehen zu lernen.“ Inzwischen betreut Scherf das Netzwerk „SONG – Soziales neu gestalten“, ein Zusammenschluss von verschiedenen Akteuren der Sozialwirtschaft, der sich unter anderem um zukunftsfähige Wohnmodelle für Senioren kümmert. „Menschen wollen dort leben, wo sie gekannt werden, wo sie ihre Kneipe wiederfinden und wo sie mit jemandem reden können“, sagte Scherf im Lichthof der HAWK in Holzminden vor den knapp 200 Zuhörerinnen und Zuhörern der Immobiliendebatte und rief dazu auf, gute Beispiele aufzuspüren und sich inspirieren zu lassen. Aber auch der 74-Jährige mahnte, es gebe keine Allheilmittel, nur eines: „Selbst mit Fantasie und Ausdauer aktiv zu werden.“

Bei der Podiumsdiskussion, an der auch die Holzmindener Professorinnen Dr. Alexandra Engel (Soziale Arbeit) und Dr. Birgit Franz (Architektur) Beispiele aus der eigenen Projektarbeit vorstellten, war dies ebenfalls das Fazit: Gemeinsam etwas tun, nur das bringt voran. Die Moderation des gesamten Tages hatte Christof Hardebusch, Chefredakteur des Immobilienmanagers, übernommen.

Es sei allerhöchste Zeit, die demografische Entwicklung ernst zu nehmen und Instrumente zu entwickeln, sagte auch der Mitinitiator der Immobiliendebatte, Prof. Dr. Jürgen Erbach, in seiner Abschlussrede. „Was nicht vorgestern gedacht, gestern geplant und heute umgesetzt wird, das kann uns nicht auf morgen vorbereiten.“ Hervorragender Praktiker in dieser Hinsicht ist Prof. Dr. Rainer Vahland, Dekan der Holzmindener HAWK-Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen, der die Immobiliendebatte mit den Worten eröffnet hatte: „Die HAWK in Holzminden ist auf dem Weg zu einem Kompetenzzentrum der Immobilienwirtschaft in Deutschland.“

Vahland war derjenige, der das Studienangebot der Immobilienwirtschaft in Holzminden etabliert und weiterentwickelt hat. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber übersteigt die Zahl der Studienplätze bei weitem. Dazu trägt auch das renommierte Lehrpersonal bei. Zum Beispiel ist im Rahmen der Immobiliendebatte auch der in Deutschland höchst renommierte Experte Gerhard Kemper von HAWK-Präsidentin Prof. Dr. Christiane Dienel zum Honorarprofessor ernannt worden.

So ganz nebenbei konnten die Gäste der Immobiliendebatte, allen voran die Studierenden, den Alterssimulationsanzug der Wolfsburg AG testen – damit die Theorie nicht ohne Gefühl auskommen muss.

Quelle: Pressemitteilung vom 04.06.2012
Sabine zu Klampen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen
http://idw-online.de/de/news481182

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