Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“
Neuss, den 30.08.2010
Offener Brief
An die
Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein
Nordwall 39
47798 Krefeld
ihk@krefeld.ihk.de;
ludewig@krefeld.ihk.de;
welsink@medicoreha.de;
dieter.welsink@cdu-neuss.de;
Nachrichtlich:
An die Neuss-Grevenbroicher Zeitung und weitere Medien
Redaktion@ngz-online.de;
ludger.baten@ngz-online.de;
rwiedner@ngz-online.de;
klaus.schumilas@ngz-online.de;
kleinau@ngz-online.de;
wirtschaft@ngz-online.de;
….
Betr.: Arbeitskreis Gesundheitswirtschaft – Belange der Patienten / pflegebedürftigen Menschen und der Pflegekräfte gehören in den Mittelpunkt
Bezug: Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 28.08.2010
Beiträge zum Thema auch im Forum Werner Schell unter:
viewtopic.php?t=14700
viewtopic.php?t=14587
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass die IHK – Mittlerer Niederrhein - einen Arbeitskreis Gesundheitswirtschaft eingerichtet hat. Die Neuss-Grevenbroicher Zeitung berichtete darüber am 28.08.2010 im Wirtschaftsteil (C 4).
Ich entnehme zunächst den Ausführungen, dass es dem Arbeitskreis vorrangig – oder sogar allein - um die Förderung wirtschaftlicher Belange im Gesundheitswesen geht. Damit folgt man offensichtlich den bundespolitischen Vorgaben, die seit Jahren „Ökonomisierung und Wettbewerb“ in den Mittelpunkt des Agierens gestellt haben.
Was m.E. bei der öffentlichen Botschaft im Zusammenhang mit der Arbeitskreiseinrichtung zu kurz kommt, sind die Belange der Patienten und pflegebedürftigen Menschen. Auch von den Pflegekräften, die sich zunehmend in einer Pflegenotstandssituation wiederfinden und den Angehörigen ist keine Rede.
Dabei kann ich auch dem Hinweis, dass das Thema „Gesundheitswirtschaft“ wissenschaftlich stärker angegangen werden soll, zunächst wenig positive Aspekte abgewinnen. Wenn ich mir die vielfältigen Probleme der MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen und die Interessenlage der Patienten und pflegebedürftigen Menschen bzw. der Angehörigen ansehe, fallen mir vielfältige andere vordringliche Aufgabenstellungen ein. Die Verwissenschaftlichung innerhalb der Gesundheitswirtschaft sollte zugunsten der intensiveren persönlichen Zuwendung den Menschen gegenüber in Grenzen gehalten werden.
Wir müssen aufpassen, dass demnächst nicht statt zuwendungsorientiert arbeitenden Pflegekräften vornehmlich Qualitätsbeauftragte, Manager mit verschiedenen Qualifizierungen, Prüfer von MDK und Heimaufsichten, Pflegewissenschaftler und vielleicht sogar Staatsanwälte an Kranken- bzw. Pflegebetten versammelt sind.
In der Gesundheitswirtschaft muss es m.E. vorrangig darum gehen, den Pflegenotstand anzugehen und damit für eine bessere Versorgungs- und Pflegesituation einzutreten.
Auch die aktuell laufende Diskussion bezüglich der Krankenhaushygiene hat fast ausschließlich etwas mit finanzieller und personeller Not in den Einrichtungen zu tun.
Der vielbeschworenen Wertschätzung und Anerkennung für das Pflegepersonal müssen konkrete Maßnahmen folgen, die diesen berechtigten Anliegen zur Geltung verhelfen.
So ist z.B. aktuell zu beklagen, dass zahlreiche frisch examinierte Pflegekräfte nur eine unbefristete Anstellung in Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft finden oder sich mit Teilzeitbeschäftigungen abfinden müssen. Offensichtlich flüchten sich immer mehr Träger der Gesundheitswirtschaft, auch in kirchlicher Trägerschaft, in unzumutbare Vertragsangebote für die Pflegekräfte. Ein anderes Thema sind die „Personalauslagerungen“, um tariflichen Vergütungsstrukturen auszuweichen. - Wie sollen junge Menschen unter solchen Umständen Familien gründen, Kinder in die Welt setzen und gar noch für ihr Alter bzw. ihre Pflege vorsorgen?
Ich wollte Ihnen diese meine Gedanken übermitteln mit der Aufmunterung, dafür einzutreten, dass in dem gegründeten Arbeitskreis Gesundheitswirtschaft auch die Belange des Personals, der Patienten und der Angehörigen gebührend einbezogen werden. Darüber ist eine öffentliche Diskussion notwendig!
Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell –
http://www.wernerschell.de
Medienberichte zum Thema:
http://www.presseanzeiger.de/meldungen/ ... 381468.php
http://www.openpr.de/news/461100.html
http://www.heide-bote.de/index.php?name ... &sid=15374
http://www.openbroadcast.de/artikel/581 ... etzen.html