Überlastete Ärzte: Haftung der Klinikmanager ...?

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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Überlastete Ärzte: Haftung der Klinikmanager ...?

Beitrag von WernerSchell » 28.11.2015, 16:59

Überlastete Ärzte: Klinikmanager sollen für Kunstfehler haften
Von Tanja Wolf

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Foto: Spiegel-Online - Operationsteam bei der Arbeit (Archivbild):
Trägt nur der Arzt Verantwortung?


An Kunstfehlern in der Klinik ist das medizinische Personal Schuld - oder? Ein Richter zeigt in seiner Promotion, wie sich auch das Management haftbar machen lässt: bei systematischer Überlastung der Angestellten oder Organisationsmängeln.

Die "Täter hinter dem Täter" zu suchen, ist daher eine Forderung von Medizinrechtsexperten. "Viel zu selten wird gegen Klinikgeschäftsführer und Krankenhausmanager ermittelt", kritisiert Tim Neelmeier, Richter und zuvor Anwalt für Medizinstrafrecht.

… (weiter lesen unter) …. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 64174.html

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Auf die nachfolgende Buchveröffentlichung wird aufmerksam gemacht:
Neelmeier
Organisationsverschulden patientenferner Entscheider
und einrichtungsbezogene Aufklärung

Von RA Dr. Tim Neelmeier, LL.B. (Bucerius)
2014, 558 S., Broschiert,
ISBN 978-3-8487-1663-0
Quelle und weitere Informationen:
http://www.nomos-shop.de/Neelmeier-Orga ... duct=23348

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Pressemitteilung Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Dr. Susanne Langer,
27.11.2015


Managerhaftung in der Medizin und Qualitätswettbewerb durch Patientenaufklärung
Tim Neelmeier erhält Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung

Für seine Wettbewerbsbeitrag zum Thema „Managerhaftung in der Medizin und Qualitätswettbewerb durch Patientenaufklärung“ wurde der Erlanger Jurist Dr. Tim Neelmeier mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung in der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften ausgezeichnet.
Bundestagspräsident Norbert Lammert verlieh am 26.11.2015 im Kaisersaal der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin den diesjährigen Deutschen Studienpreis für herausragende Dissertationen, der mit 25.000 Euro dotiert ist.

Die deutschen Kliniken sparen. Dennoch steigt die Zahl der Operationen.
Denn: Um Gewinne zu erzielen, halten Klinikleitungen die Ärzte dazu an, möglichst viele Behandlungen mit möglichst niedrigen Personal- und Sachkosten durchzuführen. Das führt zu sinkenden Sicherheitsstandards bei Operationen und einem höheren Risiko für Behandlungsfehler. Neelmeier untersuchte in seiner Doktorarbeit, wie die Justiz dieser Entwicklung begegnen kann. Er fordert eine konsequente Marktaufsicht und -steuerung durch die Justiz. Bislang werden „infrastrukturbedingte Behandlungsfehler“ strafrechtlich nur Ärzten und der Klinik als juristische Person angelastet. Jedoch stehen auch und insbesondere die sogenannten strukturverantwortlichen Entscheider in der Verantwortung. Gemeint ist damit die Geschäftsführung einer Klinik.

Tim Neelmeier studierte Jura an der Hamburger Bucerius Law School sowie der Cornell Law School in Ithaca (NY) und promovierte 2014 in Medizinstrafrecht an der Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Organisationsverschulden patientenferner Entscheider und einrichtungsbezogene Aufklärung“. Seit Sommer 2015 ist er als Richter in Schleswig- Holstein tätig, zzt. Landgericht Itzehoe.

Mit dem Deutschen Studienpreis zeichnet die Körber-Stiftung jährlich exzellente Dissertationen aus, die besonders hohe gesellschaftliche Relevanz haben. Die Ausschreibung richtet sich an Promovierte aller wissenschaftlichen Disziplinen. Insgesamt vergibt die Körber-Stiftung jährlich Preise im Gesamtwert von über 100.000 Euro, darunter drei Spitzenpreise à 25.000 Euro.

Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse von Tim Neelmeier:
http://www.koerber-stiftung.de/fileadmi ... lmeier.pdf

Der Originalwettbewerbsbeitrag von Tim Neelmeier:
http://www.koerber- stiftung.de/fileadmin/user_upload/wissenschaft/studienpreis/pdf/2015/Beitrag_Neelmeier_2015-11-05.pdf

Ein kurzes Filmporträt zum Preisträger und seiner Arbeit:
http://www.koerber-stiftung.de/mediathe ... meier.html
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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80 Prozent der Rücken-Operationen sind überflüssig

Beitrag von WernerSchell » 07.12.2015, 07:29

"80 Prozent der Rücken-Operationen sind überflüssig"

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"80 Prozent der Rücken-Operationen sind überflüssig" - so der TK-Chef Jens Baas in einem Interview mit der Redaktion der RP am 21.11.2015. Jens Baas: "Hier schafft sich offenbar ein Überangebot an Chirurgen seine Nachfrage. Patienten, denen der erste Arzt eine Rücken-Operation empfohlen hat, kamen nach Meinung eines zweiten Arztes auch mit Physiotherapie und anderen konservativen Methoden aus. Das ist übrigens im Sinne der Patienten, denn eine Operation am Rücken ist keine Kleinigkeit." Vgl. dazu die Hinweise > viewtopic.php?f=2&t=21246
Wo bleibt eigentlich der große öffentliche Aufschrei, der sonst bei Pflegemängeln üblich ist? Wenn eine Operation ohne entsprechende medizinische Indikation nur aus ökonomischen Erwägungen erfolgt, muss von einer strafrechtlich relevanten Körperverletzung durch die zuständigen Ärzte (Chirurgen) ausgegangen werden. Wieso beschreiben Kassenvertreter solche Prozeduren nur in Studien und Interviews, ohne, zusammen mit den Patienten, gegen die gefährlichen und kostenträchtigen Maßnahmen mit Entschiedenheit vorzugehen? - Werner Schell


Siehe auch unter:
viewtopic.php?f=2&t=21246
viewtopic.php?f=4&t=20317
viewtopic.php?f=6&t=13509
viewtopic.php?f=4&t=18006
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Organisationsverschulden patientenferner Entscheider ...Tipp

Beitrag von WernerSchell » 09.12.2015, 09:20

Aus Forum:
viewtopic.php?f=2&t=21408

Buchtipp!

RA Dr. Tim Neelmeier

Organisationsverschulden
patientenferner Entscheider und
einrichtungsbezogene Aufklärung



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Nomos, 2014
558 S., Broschiert,
ISBN 978-3-8487-1663-0
129,- € inkl. MwSt. versandkostenfrei

Die Zunahme infrastrukturbedingter Behandlungsfehler in den letzten Jahren ist eine Nebenwirkung der ökonomisierten Medizin. Kennzeichnend für den Präventionsverlust des Strafrechts ist dabei die Inkongruenz zwischen wirtschaftlicher und rechtlicher Verantwortung der Entscheidungsträger in Kliniken und Praxen. Die behandelnden Ärzte tragen bislang das alleinige Strafverfolgungsrisiko, obwohl ihnen oftmals nur ein Übernahmeverschulden angelastet werden kann. Dieses Verantwortungsgefälle wird nicht vom Gesetz vorgegeben, sondern resultiert aus einer zu engen Gesetzesauslegung durch die Ermittlungsbehörden.

Einrichtungsleitungen und behandelnde Ärzte können sich vor zivil- und strafrechtlicher Haftung schützen durch rechtzeitige Aufklärung ihrer Patienten über eine schwache Infrastruktur. Nach ständiger Rechtsprechung des BGH kann zwar nicht über die bloße Möglichkeit eines Behandlungsfehlers befreiend aufgeklärt werden, wohl aber über bereits feststehende Standardunterschreitungen.

Die Arbeit wurde mit dem Deutschen Studienpreis 2015 der Körber Stiftung ausgezeichnet.

Das Werk ist Teil der Reihe Schriften zum Medizinstrafrecht, Band 1.

Quelle und weitere Informationen:
http://www.nomos-shop.de/Neelmeier-Orga ... duct=23348
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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WernerSchell
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Wenn Ärzte Fehler machen - Mein Recht als Patient

Beitrag von WernerSchell » 16.03.2016, 07:50

Am 16.03.2016 bei Facebook gepostet:
Wenn Ärzte Fehler machen - Mein Recht als Patient > TV-Tipp für den 16.03.2016:
> viewtopic.php?f=7&t=21551 Ich informiere seit über 40 Jahren über Patientenrechte.
Den nächsten Vortrag biete ich dazu in der VHS Neuss am 06.06.2016:
> viewtopic.php?f=7&t=21478
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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